D verliert, E gewinnt

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D verliert, E gewinnt

Mit dem ID.3 steigt Volkswagen heuer voll in das Thema Elektromobilität ein

Die Zulassungsstatistik des vergangenen Jahres spricht eine deutliche Sprache: In Europa sinkt der Anteil der Dieselfahrzeuge unaufhörlich, während all jene Autos, die in irgendeiner Form elektrifiziert sind, stärker nachgefragt sind – mit enormen Unterschieden innerhalb des Kontinents.

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Es war der 20. September 2015, 14:17 Uhr: Wenn an einem Sonntagnachmittag eine „Erklärung des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Professor Dr. Martin Winterkorn“, ausgeschickt wird, muss sie bedeutend sein. US-Behörden hätten bei Abgastests an Fahrzeugen mit Dieselmotoren des VW-Konzerns Manipulationen festgestellt, hieß es im Text. Und weiter: „Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art. … Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität.“
Wenige Tage später musste Winterkorn zurücktreten, Ende September wurde in Wolfsburg ein Aktionsplan zur Nachbesserung von Fahrzeugen mit EA189 EU5-Motoren vorgelegt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass „Dieselgate“, wie der Skandal in Anspielung auf „Watergate“ in den frühen 1970er-Jahren genannt wurde, schwerwiegende Folgen haben würde – nicht nur für Volkswagen.

Dieselanteil sackte von 56,1 auf 30,5 Prozent ab
Viereinhalb Jahre sind seit damals vergangen: Und auch wenn die Mauscheleien von damals strafrechtlich noch längst nicht aufgearbeitet sind, spürt die gesamte Branche die Folgen.
Beginnen wir mit den Fahrzeugen mit Dieselantrieb: Deren Anteil lag 2011 mit 56,1 Prozent EU-weit am höchsten und sank dann – unter anderem weil einige Länder Steuererleichterungen einschränkten. 2015, als die Sache mit VW publik wurde, hatten noch 51,5 Prozent der neu zugelassenen Autos einen Dieselmotor (44,2 Prozent Benziner, 1,6 Prozent Hybrid und 1,1 Prozent E-Autos). Ein Jahr später hatte der Diesel seine „absolute Mehrheit“ verloren, lag mit 49,2 zu 46,6 Prozent aber immer noch vor den Benzinern. 2017 drehte sich das Bild dramatisch: Der Benzineranteil in Europa stieg auf 50,3 Prozent an, die Diesel schrumpften auf 44,0 Prozent. Hybridfahrzeuge kamen auf 2,8, E-Autos auf 1,5 Prozent.

Immer mehr teure Technik für saubere Autos
Noch deutlicher klaffte die Schere 2018 auseinander: Der Anteil der neuen Benziner stieg auf 56,7 Prozent, jener der Diesel fiel auf 35,9 Prozent. 3,8 Prozent der EU-weit neu zugelassenen Autos waren Hybridfahrzeuge, 2,0 Prozent rein elektrisch und 1,5 Prozent kamen mit einer anderen Antriebsart (also z. B. Erdgas). Zurückzuführen ist der Rückgang des Diesels auch darauf, dass die Preisdifferenz zwischen Benzinern und Dieseln wegen der vielen technischen Maßnahmen zur Abgasreduktion immer größer wurde.
Gespannt wartete man nun auf die Zahlen von 2019: Die im Februar veröffentlichte Analyse des ­europäischen Autoherstellerverbandes ACEA zeigt, dass mittlerweile 58,9 Prozent der europäischen Neuwagen einen Benzinmotor haben und nur noch 30,5 Prozent einen Diesel. 3,1 Prozent kamen mit rein elektrischem Antrieb.
In Österreich war das Verhältnis im Vorjahr übrigens folgendermaßen: Die Benziner kamen 2019 auf einen Anteil von 53,7 Prozent (nach 54,0 Prozent 2018), die Diesel hatten 38,4 Prozent Anteil am Neuwagenmarkt (2018: 41,1 Prozent). 2,8 Prozent waren Elektroautos (2018: 2,0 Prozent) und der Anteil der Hybridfahrzeuge kletterte binnen Jahresfrist von 2,7 Prozent auf 5,0 Prozent.

Deutliches Plus für Hybridautos
Gewonnen haben, wie schon erwähnt, europaweit aber nicht nur die Benziner, sondern auch Autos mit alternativen Antriebsformen – wobei sich hier innerhalb der einzelnen Staaten ziemliche Unterschiede ergeben: So stiegen zum Beispiel die Zulassungen von Hybridfahrzeugen im Vorjahr in der EU um 49,5 Prozent. Das stärkste Wachstum gab es übrigens in Österreich, wo sie sich von 7.143 auf 14.349 Einheiten mehr als verdoppelten. In Deutschland wurde ein Plus von 96,2 Prozent verzeichnet. Bei den Plug-in-Hybriden wurde in der EU eine ­Steigerung um 13,9 Prozent registriert (in Österreich gab es ­allerdings ein Minus von 4,5 Prozent).
Noch deutlicher sind die Unterschiede aber bei den rein elektrisch betriebenen Autos (BEV): Hier zeigt sich, dass finanzielle Anreize den Verkauf fördern. Insgesamt 365.372 BEVs wurden in den 28 EU-­Staaten sowie in den 3 EFTA-Ländern (Island, Norwegen und Schweiz) verkauft, ein Plus von 80,8 Prozent. Mit einer satten Zunahme von 155,7 Prozent haben die Niederlande (67.695 Stück) bereits Norwegen (60.345, +30,8 Prozent) überholt, auch Deutschland (63.491, + 75,3 Prozent) liegt (allein schon wegen seiner Größe) vor den Skandinaviern. Österreich hinkt mit einem Zuwachs von 36,9 Prozent auf 9.261 Einheiten hintennach und fiel hinter die Schweiz (13.190 Stück, +156,7 Prozent) zurück.

Osteuropa hinkt deutlich hinterher
Hingegen ist die Elektromobilität in den Ländern Osteuropas noch nicht angekommen: In Bulgarien (mit immerhin 35.371 Neuzulassungen) wurden im Vorjahr gerade einmal 181 Einheiten verkauft, das sind nur 0,51 Prozent des Gesamtmarkts und sogar um 13 Autos weniger als 2018. Und in der nicht allzu fernen Slowakei entfielen nur 165 der insgesamt 101.568 Neuzulassungen auf E-Autos, das sind ­lächerliche 0,16 Prozent (-43,7 Prozent).
Ob man in diesen Ländern die CO2-Vorgaben der EU erreichen wird? Eher fraglich … •

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