Der größte Wandel

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Der größte Wandel
Hintergrundbild: skeeze/Pixabay Infografik aus: R. Perez et al. „A Fundamental Look at Energy Reserves for the Planet“, 2009

So heiß der Mobilitätswandel an Stammtischen und ihren modernen Pendants im Netz auch diskutiert wird – viel wichtiger scheint, die Primärenergieträger umzukrempeln. Das unbestritten größte Potenzial liegt in der Solarenergie.

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Während vom Parlament abwärts viel über Schnitzelverbote und Dieselabgase gestritten wird, steigt der weltweite Energieverbrauch unverdrossen. Den Löwenanteil dieses Hungers stillen nach wie vor die drei großen fossilen Energiequellen: Erdöl, Kohle und Erdgas.

Das betrifft keinesfalls nur China und Indien. Auch der europäische und der US-amerikanische Energiemarkt fressen immer mehr – und zuletzt auch wieder schneller. Wie der britische Energiekonzern BP in seinem jährlichen „Statistical Review of World Energy“ schreibt, haben die USA 2018 ihre bisher größte Fördererhöhung von Erdöl und Erdgas vorgenommen. „Der globale Energiebedarf stieg 2018 um 2,9 Prozent, die CO2-Emissionen um zwei Prozent – schneller als je zuvor seit 2010/11. Das ist kein nachhaltiger Weg“, warnen die Studienautoren des Energiekonzerns.

Insel der Öligen?
Und in Österreich? Unsere kleine Insel der Seligen vertraut ebenfalls auf Öl als wichtigste Primärenergiequelle mit 13,4 Millionen Tonnen Öl-Äquivalent (Mtoe), gefolgt von Strom aus Wasserkraft (8,5 Mtoe) und Erdgas (7,5 Mtoe, Zahlen aus 2018). Europa- und auch weltweit ist das Ganze nach wie vor ein Heimspiel für die Fossilen, erneuerbare Energiequellen (exklusive Wasserkraft) liegen EU-weit, aber auch auf globalem Level sogar hinter der Kernenergie zurück.

Wie die Statistik Austria bestätigt, verzeichnet der Bruttoinlandsverbrauch von Energie in den letzten Jahren eine stagnierende Tendenz. Betrachtet man die detaillierte Aufschlüsselung für das Jahr 2018, zeigt sich: Während Privathaushalte (-7 Prozent) und der Dienstleistungssektor (-4 Prozent) weniger verbrauchten als im Jahr zuvor, stagnierte die Industrie (+1 Prozent). Der Verkehrssektor verzeichnete wachsenden Energiehunger (+2 Prozent), dabei vor allem der Flugverkehr (+ 12 Prozent). Zur Ehrenrettung der Avionik sollte man dabei anmerken, dass im Straßenverkehr insgesamt 347 PJ draufgehen, fürs In-die-Luft-gehen nur 36 PJ.

Weniger Hoffnung macht, dass sich der Endverbrauch von Erdölprodukten nicht verändert, während kohlebasierte Energieträger auf dem Rückzug sind. Erstaunlich: Die Produktion elektrischer Energie ist zuletzt auf 234 PJ gesunken – und zwar sowohl aus fossilen wie aus erneuerbaren Quellen. Ausnahme ist die Photovoltaik, die um 13 Prozent auf – insgesamt magere – 5 Petajoule stieg.

Alle auf Energie-Diät setzen?
Dass der Mensch sich wegen einer blumig herbei beschworenen Katastrophe in einer nicht näher datierbaren Zukunft auf Energie-Diät setzen lässt, wird nicht nur von Pessimisten bezweifelt. Und vielleicht ist eine solche Fastenkur auch gar nicht nötig. Laut dem US-Forscher Marc Perez kommt pro Jahr deutlich mehr Sonnenergie auf der Erde an, als auf dem Planeten in Form fossiler Quellen überhaupt gespeichert ist – nämlich satte 23.000 Terawattjahre (TWy) an Energie. Zum Vergleich: Die bekannten Gesamtvorkommen von Kohle als größter fossiler Energieträger betragen 900 TWy.

Tatsächlich wächst der Photovoltaik-Sektor weltweit, wenn auch nach Regionen stark unterschiedlich. Obwohl China seinen PV-Ausbau etwas verlangsamt hat, war 2018 erstmals ein Anstieg über 100 GW auf 505 GW Kapazität zu verzeichnen (Quelle: „Renewables Global Status Report“ der NGO REN21). Die Autoren schreiben, dass der Preis für Sonnenstrom in Großanlagen 2018 deutlich gesunken ist, ebenso die Preise für Solarpanels, letztere um ca. 29 Prozent.

Klar scheint: Nur wenn die Energienutzung hin zu nachhaltigen Quellen gelingt, wird das Elektroauto zur klimafreundlichen Alternative für die Mobilität der Zukunft – egal, ob als Variante mit Wasserstofftank und Brennstoffzelle oder nur mit Batterie.

Bei einem entsprechenden Ausbau des Sonnenstroms können neben klimaneutralem Wasserstoff, der sich ausgezeichnet als Energiespeicher eignet, auch noch flüssige e-Fuels erzeugt werden, weil der niedrige Wirkungsgrad dann kaum noch eine Rolle spielt.

Es klingt paradox, aber plausibel: Eine langfristige Strategie, um den Verbrennungsmotor am Leben zu erhalten, müsste auf raschen und umfassenden Ausbau der Solarenergie drängen.

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