Mut zum Auto gefordert

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Mut zum Auto gefordert

Kennen Sie noch einen Bein- und Horndrechsler? Oder einen Fasszieher, einen Laternenanzünder? Prof. Willi Diez zitiert in seinem Vortrag beim A&W-Tag aus dem Buch „Die Welt der verschwundenen Berufe“ und will verhindern, dass in einer Neuauflage 2040 der Autoverkäufer auftaucht.

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Es gehe um „Ende oder Wende“, meint der Auto-Experte, „ums Ganze“. Die Geschichte sei voll von Berufen – und auch Branchen – welche die Wende nicht geschafft haben. Denn noch nie in seiner Geschichte sei das Auto so sehr in der Kritik gestanden, nicht zuletzt durch die Klimadebatte. Neben der viel zitierten Flugscham greift in den Städten auch eine SUV-Scham um sich. In einem solchen Auto werde dem Fahrer in Deutschland schon einmal der Stinkefinger gezeigt. Ernstzunehmende Zeichen, die zeigen, dass der Konsens um das Auto nicht mehr besteht.

Die gefährlichen Auswirkungen auf die Branche: Abbau von Arbeitsplätzen bei Herstellern und Zulieferern; steigender Ertragsdruck im Autohaus – und, was Diez für das Gefährlichste hält: „Die Kunden wissen nicht mehr, was sie kaufen sollen, sind verunsichert.“ Diesel oder nicht, Elektroauto, Plugin-Hybrid? Die Verunsicherung führt dazu, dass die Leute erstmal gar nichts tun und warten. Das ist natürlich die schlechteste Situation für den Handel.

3 Offensiven für die Wende
Diez fordert 3 Offensiven, mit denen diese bedenklichen Entwicklungen umgekehrt werden könnten.

1.) Die politische Offensive, die Aufgabe der Unternehmer und der Verbände sei. „Wir müssen uns wieder mehr zum Auto bekennen, als unverzichtbarer Bestandteil der Mobilität und Lebensqualität. Ich habe den Eindruck, viele trauen sich gar nicht mehr, vom Auto zu sprechen, stattdessen sprechen sie lieber von Mobilität.“

2.) Die technologische Offensive. „Wir brauchen einen klimaneutralen Individualverkehr, das ist gar keine Frage. Wir brauchen weiterhin den klassischen Verbrennungsmotor als Brückentechnologie. Es wäre fatal, wenn diese erfolgreiche, ausgereifte Technologie verschwände.“

3) Die Kundenoffensive. „Der einzige, der in unser System einzahlt, ist der Kunde.“ Deshalb müsse man fragen, was der Kunde wolle, was ihn antreibe. Denn der Kunde sei ein zunehmend schwieriges Subjekt, das immer „digitaler“ werde.

Dabei warnt Diez vor einem falsch verstandenen Digitalisierungsbegriff. Digitalisierung sei nicht nur die technische Aufrüstung mit Powerwalls, Tablets, etc. Der entscheidende Punkt sei, die Verbindung zwischen digitalen Kanälen und dem persönlichen Kontakt zu schaffen. „Wenn Sie diese Verbindung nicht schaffen, werden Sie über kurz oder lang nicht mehr im Markt sein.“

Ein Beispiel: Porsche will künftig alle Bestandsfahrzeuge auf einer Online-Plattform zum Kauf anbieten. Es sei kein Problem, dies technisch sauber mit schönen Bildern abzuwickeln, sodass der Kunde reibungslos seine Reservierung tätigen kann. Die Schwierigkeit laut Diez? „Es ist wichtig, dass der Kunde nach dem letzten Klick innerhalb von fünf Minuten eine Reaktion aus dem Autohaus bekommt, und diese Reaktion muss lauten: Du kannst dein Auto morgen bei mir angreifen und probefahren. Das ist Digitalisierung!“

Dazu forderte Diez eindringlich, den Jungen im Betrieb eine Chance zu geben – jenen, die mit dem Smartphone groß geworden seien.

Mobilität als Produkt?
„Ich tue mir mit dem Begriff „Mobilität verkaufen“ schwer“, gesteht Diez freimütig. Um Kunden von A nach B zu bringen, brauche man keine Autohäuser, so wie Uber und Lyft keine Autohäuser betreiben.

Aber auch das Auto sieht er nicht als das eigentliche Produkt. „Wir leben nicht davon, Autos zu verkaufen. Wir leben davon, dass wir Emotionen verkaufen. Das Geschäft wird tot sein, wenn wir nur noch die Mobilitätsdienstleistung verkaufen. Viele Menschen verbinden das Auto mit Emotion – und wenn jemand ins Autohaus kommt, muss er das Gefühl haben, dass hier auch Autos gelebt werden.“

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