Klimadebatte oder Klimahysterie

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Klimadebatte oder Klimahysterie

Seit für die Grünen die Atomkraft als Feindbild verblasst, wurden die Autos zum neuen Feindbild. Die europäischen Händleranwälte (EDL) erörterten bei ihrem jüngsten Treffen in Athen eine triste Situation für den Autohandel: Seit etwa fünf Jahren dreschen grüne Aktivisten in Europa auf den Diesel als NOx-Schleuder ein. Da das NOx-Problem dank neuer Abgassysteme technisch bald gelöst war, wurden für die Grün-Aktivisten nun alle "Verbrenner" als Ziel auserkoren.

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"Null CO2" heißt seither die neue Devise. Diesem Feind will man mit der Elektromobilität kurzfristig zu Leibe rücken.

Doch die Hersteller hatten vor allem die Produktion und die Technik im Auge. Die Kosten für Marketing und Vertrieb werden auf die Händler überwälzt. Die Diskussion in Athen hat gezeigt, dass in Deutschland, Spanien oder Frankreich immer weniger Händler bereit sind, die mit den neuen Standards verbundenen Investitionen zu schlucken. Sie verzichten auf den Händlervertrag und werden Satelliten herstellereigener Retailzentren. Oder sie finden bei jenen großen Mega-Dealern Unterschlupf, die so dank entsprechender Einkaufskonditionen ihr Überleben absichern. Ohne Neuwagenlager, Lagerkosten und Lagerrisiko begnügen sich die Kleinen als Agenten mit Servicevertrag; oder sie steigen überhaupt aus dem Geschäft aus.

Das scheint durchaus in die Strategie der Hersteller zu passen. Faktisch alle Marken haben in ihren neuen Händlerverträgen Klauseln, die den Herstellern den Direktvertrieb aller neuen E-Modelle ermöglichen. Zur Vorbereitung eines neuen Vertriebssystems, bei dem sich die Händler auf die Abwicklung von Probefahrten, die Aufbereitung und die Auslieferung der Neuwagen zu beschränken haben. Wofür sie dann vom Hersteller mit einigen hundert Euro Aufwandsentschädigung abgespeist werden.

Dieser Trend hat in Spanien dazu geführt, dass das neue PSA-Händlernetz im Zuge der Integration von Opel um ein Drittel ausgedünnt wurde. Künftig soll den Ausgeschiedenen das Ausweichen ins Servicenetz erschwert werden. Daher benutzen die Hersteller die E-Mobilität als Vorwand, um auch hier die Standards anzuheben. Gleichzeitig wird zur Ausschaltung der Konkurrenz den Werkstattpartnern unter Androhung der fristlosen Vertragskündigung jeglicher Neuwagenhandel untersagt.

Weiters werden die mit dem Neuwagenverkauf verbundenen Finanzdienstleistungen immer enger an die Hersteller gebunden. Diese schreiben ihren Händlern vor, welche Leasingverträge sie ihren Kunden anbieten dürfen. In Deutschland etwa mit fixen Rückkaufverpflichtungen der Händler. Die haben dann auf Weisung der Hersteller das Rückkaufrisiko der Leasinggesellschaft zu übernehmen. Angesichts der Unsicherheit, wie sich die E-Mobilität - und damit der künftige Gebrauchtwagenmarkt - weiter entwickeln wird, handeln sich die Händler damit tickende Zeitbomben ein.

So haben die Händler gleich mit zwei Gegnern zu kämpfen: Gegen die eigenen Geschäftsherren, die das Risiko CO2-bedingter EU-Strafzahlungen durch rigorose Vertragsklauseln auf ihre Händler abwälzen wollen. Und gegen die Grünextremsten, denen langsam dämmert, dass auch die E-Mobilität nicht CO2-frei funktioniert. Die daher zunehmend die gesamte individuelle Mobilität außerhalb der Massenverkehrsmittel als überflüssigen Luxus abzuschaffen trachten. Deshalb fordern die EDL-Anwälte von der Politik, dem Auto wieder jenes Ansehen zu verschaffen, das es vor der politisch angeheizten Klimadebatte hatte.

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