(E-)Motorrad: Retter der Mobilität?

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(E-)Motorrad: Retter der Mobilität?

Beim MotoCircle 2019 traf sich die Tuner-und Customizer-Szene. Am Vorabend debattierten Experten beim "Business Talk Zukunft Motorrad". Derzeit schaut's nicht schlecht aus.

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Motorräder sind ein besonders emotionales Thema. Das überrascht niemanden, der schon einmal auf einem gesessen ist. Da kann es dann auch nicht verblüffen, dass der Emotion in einer Debatte von Branchenexperten viel Raum gegeben wird. Nichts weniger als ein "Gegenentwurf zum Smartphone" oder gar "Antithese zur modernen gesellschaftlichen Entwicklung" sei das motorisierte (weniger: das elektrifizierte) Zweirad, war beim "Business Talk Zukunft Motorrad" zu hören, der am Vorabend des 3. MotoCircle Vienna im Kulturzentrum F23 stattfand.

Zweiräder sind und haben Zukunft Am Podium des Branchen-Talks präsentierten und diskutierten u. a. Michael Kirschenhofer, CEO beim großen österreichischen Importeur KSR, Christopher Schipper, Geschäftsführer der KTM Österreich GmbH in Mattighofen, Dr. Hans Jorda, HR-Experte und Mitgründer von Tuner DeusMoto, oder Roland Stocker, der als Projektleiter bei der BMW AG für die Entwicklung des erfolgreichen Modells R nineT verantwortlich war.

Motorradmarkt entwickelt sich gut
Mag. Karin Munk, Generalsekretärin der Arge 2Rad, präsentierte vorab für die Branche erfreuliche Zahlen. Die Neuzulassungen liegen heuer (Jänner bis Juli) mit 10 Prozent deutlich im Plus -und das gilt insbesondere für den zuletzt schwächelnden Moped-Markt, der um 14,7 Prozent im Plus ist. Die Elektromobilität auf 2 Rädern verzeichne gar einen Zuwachs von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so Munk.

Gerade auf den Rollern und E-Rollern liegen die Hoffnungen der Branche, in Sachen urbane Mobilität der Zukunft als vernünftige und dennoch emotionalisierende Alternative in die Bresche springen zu können. Kirschenhofer -KSR importiert u. a. die Elektroroller von Niu -vertritt die Ansicht, Zweiräder seien ein probates Mittel gegen den Verkehrskollaps in Ballungsräumen, in denen die Straßennetze kaum noch erweitert würden. "In anderen Städten ist ein Roller heute schon eine Notwendigkeit, um durch den Verkehr zu kommen", so Kirschenhofer. Unter der 2019 akquirierten Marke Malaguti will man künftig neue E-Roller auf den Markt bringen - mittelfristig soll die Elektrifizierung im städtischen Raum bis zu einer Akku-Kapazität von 22 kWh sinnvoll sein, meint man beim Importeur.

Dem widerspricht KTM-Geschäftsführer Schipper zwar, aber auch in Oberösterreich will man sich künftig am Rollersegment engagieren, und zwar mit in Niederspannungstechnik elektrisch betriebenen Zweirädern, die gemeinsam mit dem indischen Partner Bajaj entwickelt werden. Wie Schipper klarstellt, will man allerdings vermeiden, mit seinen "Powered Two-Wheelers" in Konkurrenz zu den eigenen Motorrädern zu treten. Es stehe noch nicht fest, unter welcher Marke -KTM oder Husqvarna - sie vermarktet würden. Als Marktstart sei 2021 angepeilt.

Steuernachteil für Zweiradfahrer ausgleichen
Dass (vor allem elektrifizierte) Zweiräder eine wichtige Rolle in der Mobilität von morgen spielen könnten, glaubt auch der Gesetzgeber. Besitzer von Motorrädern seien bisher steuerlich benachteiligt gewesen, kommentierte Schipper den -mittlerweile im Nationalrat abgesegneten -Entwurf zum Steuerreformgesetz der letzten Bundesregierung, in dem eine steuerliche Besserstellung von Zweirädern mit einem CO2-Ausstoß von 0 g/km vorgesehen ist. Es sei nur fair, in dieser Sache jetzt einen Ausgleich zu schaffen, so Schipper.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass der KTM-Chef keinen Zweifel an seiner Überzeugung aufkommen ließ, dass der Verbrennungsmotor im Motorrad noch auf Jahrzehnte nicht zu ersetzen sei -allein schon wegen des Vorteils der hohen Energiedichte von fossilen Treibstoffen. Batteriebetriebene Motorräder sind für die Mattighofener vielleicht "ready to race", aber nicht gut genug für die täglichen Wege.

Was die Vision vom Zweirad als Mobilitätstool der Zukunft stoppen könnte? Eventuell die Unfallzahlen, die zusammen mit dem höheren Verletzungsrisiko dafür sorgen, dass die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Motorradfahrer trotz moderner Assistenzsysteme nicht signifikant sinkt.

"Vision Zero" bei Zweirad-Toten unrealistisch
Während die Zahl der getöteten Mopedfahrer im langjährigen Vergleich abnimmt (2018: 8 Getötete), stagniert die Zahl bei den Motorradfahrern. 2018 starben 102 Biker, vom 1. Jänner bis 14. Juli 2019 waren es laut Innenministerium bereits 42 Getötete. Leider werde sich eine "Vision Zero" nicht soleicht verwirklichen lassen, meint dazu Munk. "Der langjährige Vergleich seit 1992 zeigt, dass die Zahl der getöteten Motorradfahrer abhängig vom Wetter immer zwischen ca. 75 und 100 schwankt", so Munk, die allerdings auf den stark gestiegenen Bestand zugelassener Motorräder (inklusive Kleinmotorräder) in diesem Zeitraum verweist.

Fahrtrainings sollen Verbesserung bringen: Sowohl bei KTM als auch BMW sind Programme aufgelegt, bei denen Kunden lustvoll lernen sollen, ihr Gerät sicher zu beherrschen. Gerade Motorradfahrer zeigten ein hohes Eigeninteresse an Fahrsicherheitstrainings. Gleichzeitig arbeitet man bei BMW daran, das Motorradfahren sicherer zu machen -etwa, indem man Assistenzsysteme verbaut, die verhindern sollen, dass Motorräder übersehen werden.
 

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