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Günther Kerle: "Überspitzt gesagt, nur ein Büro"

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Günther Kerle: "Überspitzt gesagt, nur ein Büro"

Der bei Jaguar Land Rover und Ford begonnene Personalabbau könnte sich durchaus auch bei anderen Importeuren fortsetzen, sagt Günther Kerle, Chef des Arbeitskreises der Automobilimporteure. Doch der Trend könnte sich auch umkehren.

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A&W: Binnen weniger Wochen haben zwei Importeure angekündigt, ihre Mitarbeiterzahl zu reduzieren: Zuerst Jaguar Land Rover in Salzburg, dann Ford in Wien. Was sagen Sie dazu?

Günther Kerle: Man muss zwischen zwei Geschäftsmodellen unterscheiden: Auf der einen Seite stehen Importeure oder Herstellertöchter, die das gesamte Spektrum abdecken, also auch Schulungen machen, Ersatzteile verkaufen und ein Lager in Österreich haben. Es gibt aber auch Unternehmen, die zentralistisch geführt werden und bei denen es kein Zubehör und kein Ersatzteillager gibt und die außer der Logistik für die Händlerbetreuung vielleicht noch das Marketing haben. Die sind, überspitzt gesagt, nur ein Büro.

Welchen Trend beobachten Sie? Ist das nur eine momentane Phase?

Kerle: Immer öfter werden Aufgaben, die ohne großen Aufwand auswärts erledigt werden können, abgezogen. Das wird sich auf jeden Fall verstärken, weil die Industrie schwer stöhnt, um die riesigen Investitionen für zukünftige Autos zu schaffen und die Erträge beim Autoverkauf nach unten gehen. Der Markt ist alles andere als stabil.

Leidtragende sind die Importeure

Kerle: Die Hersteller versuchen, Luft raus zu nehmen. Das trifft auch die Importeure vor Ort. Es ist wie eine Wellenbewegung. Jetzt ist man dabei, mehr zu zentralisieren. Und dann bemerkt man, dass es doch nicht so gut funktioniert. Das haben wir in den vergangenen 40-50 Jahren immer wieder beobachtet.

Wie meinen Sie das?

Kerle: Vor 20-25 Jahren war die generelle Tendenz der Hersteller, die Logistik auszulagern und das Marketing selbst zu machen. Bis man draufgekommen ist, dass es für einen Holländer in Amsterdam doch nicht so einfach ist, die richtige Radiowerbung für Österreich zu machen. Also hat man eine Werbeagentur direkt vor Ort eingesetzt, die von der Zentrale geführt wurde oder versucht, das Marketing wieder Richtung Importeur zu bringen: Auch weil dieser besser Bescheid weiß, welche Zeitung oder welcher Radio-und TV-Sender wichtig ist.

Sie waren früher Chef von Mazda in Österreich, wo Klagenfurt für viele unterschiedliche Länder zuständig ist. Wie funktioniert es dort?

Kerle: Von Klagenfurt werden viele Länder gesteuert. Doch in jedem Land gibt es eigene Verantwortliche. Denn wie soll jemand in Österreich sagen, ob die Headline für Kroatien richtig ist? Man braucht also die Leute vor Ort: Und wenn die Strukturen nicht so groß sind, kommt man mit 10 Leuten aus.

Wie sieht es mit Schulungen für die Händler und Werkstätten aus?

Kerle: Solche Dinge kann man durchaus zentral machen, bei Mazda erfolgt das auch für Rumänien, Tschechien oder Ungarn in Klagenfurt. Das wird direkt in die Landessprache übersetzt. Aber natürlich ist es nicht ideal, wenn jemand von Österreich nach Deutschland zu einer Schulung muss.

Ihr Rat an die Hersteller?

Kerle: Sie sollten so gescheit sein und alles sachlich hinterfragen. Schlecht ist eine Rasenmäher-Strategie, wo man so und so viele hundert Köpfe reduzieren muss und das auf die Länder verteilt. Eine Grundstruktur vor Ort zu haben, ist für jeden Importeur weiterhin notwendig. Doch bei allen Sparmaßnahmen muss die optimale Betreuung der Händler auf jeden Fall sichergestellt sein.

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