Danijel Dzihic: "Aus 1+1+1 mehr als 3 machen"

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Danijel Dzihic: "Aus 1+1+1 mehr als 3 machen"

Ford-Austria-Chef Danijel Dzihic über die Ansprechpartner für die Händler, die Zukunft der Mitarbeiter beim Importeur und die Rolle Österreichs in der künftigen D-A-CH-Organisation.

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A&W: Seit der Ankündigung, dass Ford etwa die Hälfte seiner Mitarbeiter in Österreich kündigen muss und künftig verstärkt mit Deutschland und der Schweiz zusammenarbeitet, sind nun einige Wochen vergangen. Können Sie uns die Zielsetzung von Ford noch einmal erklären?

Danijel Dzihic: Ford ist in Europa leider nicht profitabel. Doch wir müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft sicherzustellen, kurzfristig in die Gewinnzone zurückkehren. Da muss man an der Kostenschraube drehen, um ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufstellen zu können. Als Teil dieser Restrukturierung in Europa etabliert Ford eine neue Vertriebsstruktur für Deutschland, Österreich und die Schweiz (D-A-CH-Region), welche uns helfen wird, unsere Profitabilität zu verbessern.

Wie geht es den Mitarbeitern, von denen etwa die Hälfte den Importeur verlassen muss?

Dzihic: Ich weiß, dass jeder seinen Weg finden wird. Dafür werde ich mich auch persönlich einsetzen. Das sehe ich neben dem operativen Geschäft als meine primäre Aufgabe. Wir müssen diesen Prozess würde- und respektvoll und schnell absolvieren und die Fragezeichen schnellstmöglich minimieren. Wir haben mitallen Mitarbeitern die zukünftige Organisationsstruktur geteilt. Erst wenn jeder einzelne seinen Hafen gefunden hat, ist für mich die Restrukturierung abgeschlossen.

Wie wird die neue D-A-CH-Organisation aussehen?

Dzihic: Wir haben schon bisher sehr gut mit Deutschland und der Schweiz zusammengearbeitet, zum Beispiel in der Kommunikation oder bei den Produkttrainings. Jetzt wollen wir in einer effizienten Organisation noch mehr Synergien nutzen. Man sollte aus 1+1+1 mehr als 3 herausbekommen. Das Hauptaugenmerk liegt nach wie vor auf der bestmöglichen Betreuung unserer Ford-Partner vor Ort. Wenn die administrativen Aufgaben künftig großteils im D-A-CH-Center erledigt werden, haben wir in Österreich mehr Power, um für den Händler da zu sein.

Wie soll das mit der Effizienzsteigerung funktionieren? Gibt es schon konkrete Ideen?

Dzihic: Man muss Doppelarbeiten minimieren und durch die Skalierungseffekte hat man in diversen Bereichen mehr Kraft. Eine abgestimmte Produkt-, Angebots- und Servicestruktur sowie einheitliche Kommunikation werden weitere Synergien ermöglichen.

Wie kann man sicherstellen, dass nicht Deutschland künftig alles dominiert?

Dzihic: Nein, nicht Deutschland wird bestimmen und Österreich und die Schweiz müssen folgen. Man wird das Beste und Effizienteste aus diesen drei Ländern für D-A-CH umsetzen. Von unseren guten Prozessen können wir einige Dinge ganz bewusst in die neue Organisation mitnehmen.

Aber besteht nicht die Gefahr, dass marktspezifische Dinge verloren gehen?

Dzihic: Natürlich muss man gewisse Schrauben in Österreich anders drehen, um den ultimativen Erfolg zu haben. Das darf nicht alles nach einheitlichem Schema F laufen. Ich könnte mir vorstellen, dass das etwa im Verhältnis 80:20 sein wird. Der Großteil wird harmonisiert, aber es braucht auch einen taktischen Gestaltungsspielraum, um die Marktspezifika wie z. B. NoVA, Finanzierungsboni etc. bestmöglich in Österreich umzusetzen.

Wie sehen Sie die Rolle von Deutschland bei Ford in Europa?

Dzihic: Wenn man die Performance von Ford in Europa anschaut, ist momentan Ford of Germany definitiv der Performance-Motor. Großbritannien wird zunehmend ein schwieriges Umfeld. Doch Deutschland wächst nachhaltig sowohl beim Volumen als auch Marktanteil zum sechsten Mal in Folge und hat auch heuer die beste Orderbank (Anm. Anzahl der verkauften Fahrzeuge im Vorlauf) seit Langem. Das funktioniert nur, wenn man eine professionelle und händlerorientierte Truppe hat. Und von ihnen können wir jetzt profitieren. Die deutschen Kollegen bearbeiten den Markt nach dem Motto "Verkaufen ohne Umwege", also mit klarem Fokus auf bestmögliches Kundenangebot mit minimalem Einsatz von taktischen Instrumenten wie Kurzzulassungen. Im Grunde genommen genau das, was wir seit Jahren erfolgreich mit unseren Händlern auch tun.

Kann man die Situation in Deutschland wirklich auf das viel kleinere Österreich anwenden?

Dzihic: Natürlich ist das eine gewisse Herausforderung. Große Brocken in unserer Branche wie WLTP, Einhaltung der CO2-Vorgaben, Elektrifizierung, die in der automobilen Welt auf alle Hersteller zukommen, kann man als kleine Organisation schwerer schlucken. Jetzt sind wir deutlich stärker aufgestellt, da die DACH-Region in ihrer neuen Form die stärkste und gewichtigste Vertriebsorganisation von Ford in Europa darstellt.

Ist Ford in Österreich nicht ohnehin gut unterwegs?

Dzihic: Natürlich. Wir wachsen nachhaltig seit 2015. Wenn man Pkws und Nutzfahrzeuge zusammenzählt, sind wir in den letzten 3 Jahren um knapp 6.000 Zulassungen gewachsen und haben unseren Marktanteil signifikant von 6,48 in 2015 auf 7,23 Prozent in 2018 gesteigert. Auch heuer haben wir in den ersten vier Monaten beim Marktanteil von 7,14 auf 7,55 Prozent zugelegt. Damit liegen wir über unserem Ziel von 7,33 Prozent. Wenn man einmal vom VW-Konzern absieht, haben wir die stärkste Vertriebsorganisation in Österreich.

Ist es nicht unverständlich, dass Österreich darunter leiden muss, wenn andere Länder schwächeln?

Dzihic: Man kann das schwer in Zusammenhang bringen. Österreich ist nicht Ford Europa, sondern nur für einen sehr kleinen Teil des europäischen Volumens verantwortlich. Der Konzern hat neben D-A-CH auch andere Cluster gebildet.

Was ist für die Zukunft wichtig?

Dzihic: Man muss achten, dass die Händler weiterhin Geld verdienen. Durch die neue Organisation werden wir den Händlern auch in einer veränderten Welt inkl. WLTP, Elektrifizierung und anderen disruptiven Branchenveränderungen kompetente Unterstützung im Markt geben und sie professionell betreuen. Wenn man ab 2020 nur 1 Gramm das CO2-Ziel verfehlt, bedeutet das für Ford in Europa Mehrkosten von 100 Millionen Euro pro Jahr. Diese Herausforderung wird Ford gemeinsam mit den Händlern meistern. Dafür gibt es eine Reihe von Mild-Hybriden, Voll-Hybriden und Plug-in-Hybriden und bald rein batterieelektrische Fahrzeuge. Händlerbenötigen professionelle Unterstützung von uns bei der Einführung dieser zahlreichen Produkt-und Antriebsneuheiten, welche wir zuletzt in Amsterdam vorgestellt haben.

Ist gesichert, dass die Händler ihre bisherigen Ansprechpartner behalten?

Dzihic: Die Händler verlieren funktional keine Ansprechpartner, die sie betreut haben. Aber wir sind noch mitten im Prozess und arbeiten am Sozialplan und in weiterer Folge am People Plan, damit wir eine schlagkräftige Truppe sicherstellen können. Wir werden gemeinsam mit unseren Partnern unseren erfolgreichen Weg fortsetzen und weiterhin als klare Nummer 2 am österreichischen Markt daran arbeiten, den Abstand zum Marktführer zu verringern.

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