Personalabbau beim Importeur

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Personalabbau beim Importeur

Mag. Dr. Thomas J. Hörmann leitet Jaguar Land Rover Austria seit Februar 2018

Auch der Österreich-Importeur dürfte vom Personalabbau bei Jaguar Land Rover nicht verschont bleiben, sagt Importeurs-Chef Mag. Dr. Thomas J. Hörmann. Derzeit sei man in der Evaluierungsphase. Große Hoffnungen setzt er heuer in die Modelle I-Pace (Jaguar) und Evoque (Land Rover). In Vorarlberg will man so bald wie möglich einen neuen Partner finden.

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AUTO-Information: Jaguar Land Rover hat vor Kurzem angekündigt, dass man in Summe 6.000 Mitarbeiter abbauen muss. Ist auch Österreich davon betroffen?

Mag. Dr. Thomas Hörmann: Der überwiegende Teil der Mitarbeiter, die Jaguar Land Rover abbauen muss, ist in Großbritannien; die ersten 1.500 haben das Unternehmen verlassen. Doch wir müssen die Personalstruktur auch in den regionalen Büros anpassen. Was Salzburg betrifft, so haben wir hier 60 Beschäftigte für Österreich und Tschechien. Wir sind derzeit in der Evaluierungsphase, die bis Ende März dauert. Dann werden wir eine Antwort geben. Die Restrukturierung soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein: Wichtig ist das Motto "in Würde und Respekt", soweit dies bei solchen Dingen möglich ist.

Wenn man sich die Zulassungszahlen des vergangenen Jahres ansieht, fallen deutliche Unterschiede zwischen den Marken Jaguar und Land Rover auf.

Hörmann: Es stimmt, es gab zwei Seiten der Medaille: Bei Jaguar kamen wir im Vorjahr auf 1.154 Neuzulassungen, also +22,0 Prozent; bei Land Rover waren es 1.798 Neuzulassungen, das waren -20,3 Prozent. Bei Jaguar profitierten wir von der Einführung des E-Pace, der mit 444 Einheiten das mit Abstand meist verkaufte Modell war vor dem F-Pace mit 294 Stück.

Beim I-Pace hört man von langen Lieferzeiten. Wie wollen Sie die in den Griff bekommen?

Hörmann: Beim ersten Crossover-SUV im Premiumbereich ist der Auftragseingang sehr gut: Es gibt mehr Bestellungen, als wir liefern können. Das erste Kontingent war auch sehr klein, doch heuer haben wir das Potenzial deutlich aufgedoppelt. Derzeit sind wir bei 3 bis 4 Monaten Lieferzeit, außer der Kunde hat spezielle Sonderwünsche. Der I-Pace hat das Potenzial, der meist verkaufte Jaguar in Österreich zu werden. Dass er in Graz gebaut wird, ist sicher förderlich.

Und warum hat Land Rover im Vorjahr deutlich schlechter abgeschnitten?

Hörmann: Vor allem weil der Evoque sein Auslaufjahr hatte: Für heuer haben wir eine hohe Erwartungshaltung in das neue Modell, von dem derzeit 2 Stück auf einer Händlertour durch Österreich und Tschechien sind. Im Februar werden die Händler ausgestattet.

In den vergangenen Wochen ist die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der NoVA voll entbrannt. Ihre Fahrzeuge sind von der NoVA stark betroffen: Wie sind Ihre Wünsche?

Hörmann: Idealerweise sollte die NoVA komplett verschwinden: Gerechter wäre das System "pay as you go": Ich kann mir gut vorstellen, dass man beim Tanken an der Zapfsäule 2-3 Cent mehr pro Liter bezahlt. Fährt jemand mehr, bezahlt er auch mehr - ähnlich wie in der Schweiz, wo die Steuern niedrig sind, aber der Sprit mehr kostet. Die Minimumforderung wäre jedoch, die Komplexität der NoVA massiv zu reduzieren. Bis heute gibt es Unklarheiten, wie die einzelnen Finanzämter diese Dinge auslegen. Die Stadt X entscheidet manchmal anders als die Stadt Y.

Haben Sie Zahlen über die unterschiedlich hohe Steuerbelastung durch WLTP und NoVA?

Hörmann: Nehmen wir zum Beispiel den F-Pace Diesel mit 180 PS und Automatik: Hier ist der CO2-Wert durch die WLTP-Einführung im Vorjahr von 137 auf 157 Gramm gestiegen, im Jänner 2020 werden es 182 Gramm sein. Bis August 2018 waren in Österreich 4.250 Euro Steuer fällig, jetzt sind es 5.500 Euro und in einem Jahr werden es 7.700 Euro sein. In Deutschland zahlte man für das gleiche Modell im Vorjahr 278 Euro Steuer: Durch die WLTP-Einführung wurde der Wert nicht erhöht und 2020 werden 364 Euro fällig. Das heißt, dass man in Österreich mehr als 20-mal so viel Steuer zahlt.

Kommen wir zum Händlernetz, wo es vor allem in Vorarlberg und in der Steiermark Fragezeichen gibt. Welche Partner haben schon in die neuen Schauräume investiert?

Hörmann: Wir haben 11 Jaguar- und 19 Land-Rover-Händler, dazu kommen 6 im Service bei Jaguar und 8 bei Land Rover. Dass die Firma Hörburger in Vorarlberg nicht mehr dabei sein wird, ist schade, da ich Herrn Hörburger als Unternehmer und als Menschen schätze. Trotzdem bleibt es eine Scheidung, was nach rund 30 Jahren Aufbauarbeit jammerschade ist. Doch wir sind dabei, uns neu zu orientieren. Es wäre wünschenswert, wenn wir bald eine Lösung finden. In Tirol sind Innsbruck und Kufstein fertig, Strass ist noch in der alten CI im Bestandsschutz. Im Bundesland Salzburg ist alles erledigt, sowohl bei Auto Frey in Salzburg als auch bei Breitfuss in Saalfelden. In Oberösterreich ist Esthofer in Pinsdorf vor der Fertigstellung, die Firma Seipl in Linz war ohnehin die erste in der neuen CI. In Kärnten baut Aichlseder um, in Villach werden aktuell Gespräche geführt.

Womit wir in der Steiermark wären, wo es um den Standort in Graz seit Jahren Diskussionen gibt.

Hörmann: Graz muss erst den Übergang zur neuen CI finden, hier sind wir am Planen. Es ist vom Volumen her eine unserer stärksten Regionen.

Bleiben Wien, das Burgenland, Niederösterreich.

Hörmann: Auf aktuellster CI sind die Firma Auto Stahl in Wien XXIII, bei Denzel in Erdberg ist man so gut wie fertig. Bei Auto Stahl im 20. Bezirk gibt es Pläne für ein neues Projekt im Norden Wiens. In Niederösterreich sind Czeczelits und Schirak auf aktuellster CI, ebenso die Firma Lehr sowie das Autohaus Dobersberg. Im Burgenland ist die Firma Strauss unser exklusiver Land-Rover- Handelspartner und fertig adaptiert.

Was sind Ihre Erwartungen für das Jahr 2019?

Hörmann: Im Moment ist vieles noch Spekulation. Die gesamte Industrie muss noch Fahrzeuge aus dem alten Jahr abbauen, daher ist der Markt sehr aggressiv. Doch wir planen weder hohe Nachlässe noch massive Werbeaktivitäten. Der Evoque, wo es tausende Kunden in Österreich gibt, ist eine große Chance. Es gibt aber stabile Restwerte und keine alten Bestände, also auch keinen Druck auf die Händler. Im März/April folgt der stark aufgefrischte XE und in der 2. Jahreshälfte der stark überarbeitete Discovery Sport.

Fehlt nur noch der Defender

Hörmann: Diese Ikone wird heuer vorgestellt und kommt 2020.

Hinweis: Lesen Sie in jeder Ausgabe von "AUTO&Wirtschaft" eines der hochkarätigen Interviews aus der wöchentlichen AUTO-Information.

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