Wer hat den Schaden?

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Wer hat den Schaden?

Die "Schadensabwicklung" der kroatischen Euroherc Versicherung macht Konsumenten und Werkstätten zu schaffen.

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Seit mehreren Monaten sorgt die Schadensabwicklung der kroatischen Euroherc Versicherung AG für negative Schlagzeilen. Beginnend mit dem "profil" haben sich anschließend die Tagespresse und der ORF dieses Themas angenommen. Aufgrund schleppender Zahlungen akzeptieren namhafte Kfz-Werkstätten von ihren Kunden keine Zession mehr an Euroherc. A&W hat sich in den Werkstätten umgehorcht, wie die Zusammenarbeit funktioniert -oder wie nicht.

Keine Rückantwort in Köflach

Mit gleich zwei Negativfällen musste sich der Köflacher Toyota Partner Rossegger&Baumann herumschlagen. "Euroherc ermöglicht die Schadensmeldung via E-Mail, allerdings haben wir keine Rückantwort bekommen", schildert Herbert Rossegger den Beginn einer Dreitausend-Euro-Reparatur. "Wir haben dann alle zwei Tage beim Versicherungsverband angerufen", lobt er diese positive Zusammenarbeit. Nach dreiwöchiger Urgenz ist dann ein Gutachter vom Büro Stibl zur Schadensbesichtigung aufgetaucht. "Von dem haben wir auch kein Gutachten bekommen", wurde er belehrt, dass nur Euroherc als Auftraggeber dieses zu Gesicht bekommen darf. "Nachdem ich dem Kunden die Einschaltung eines Anwalts empfohlen habe, ist es flott gegangen", waren dann Reparatur und Bezahlung binnen 14 Tagen erledigt.

Weniger "erfreulich" verlief der zweite Schaden mit einem Auffahrunfall. Dem Kunden ist ein bei Euroherc versichertes Taxi bei stehender Kolonne aufgefahren. "Der hat keinen Anwalt eingeschaltet", blieb dieser Fünftausend-Euro-Schaden bis Redaktionsschluss unbehoben. "Wir nehmen derartige Schäden nur noch, wenn uns der Kunde Eigenzahlung garantiert", bedauert Rossegger all jene, die nach einem derartigen Euroherc-Schaden auf ihr Auto angewiesen sind -aber eine derartige Reparatur nicht vorfinanzieren können.

Rechtsschutz in Graz

"Ich habe im Betrieb erst nach drei Wochen erfahren, dass Euroherc noch keinen Sachverständigen geschickt hat", empfiehlt Komm.-Rat Alois Edelsbrunner seinen Kollegen die möglichst prompte Einschaltung eines unabhängigen Sachverständigen und eines Rechtsanwalts. Wobei sich auch Rechtsschutzversicherungen nicht gerne mit Euroherc herumstreiten. "Einer Kundin wurde ihr Unfallschadenletztlich von ihrer Rechtsschutz ersetzt", kann Euroherc damit auf eine "erfolgreiche" Schadensliquidierung verweisen.


Schleppende Abwicklung in Wien

Auf schleppende Schadensabwicklung stieß A&W in einem Wiener Betrieb, der ungenannt bleiben möchte. Zur Reparatur eines CX3 Heckschadens wurde am 7. August per Mail eine SV-Besichtigung angefordert. Eine Woche später gab es diese -aber kein Gutachten. Nach der Reparatur gingen am 27. September sowohl Rechnung als auch eine detaillierte Kalkulation an Euroherc. Einen Monat später landetelediglich ein Teilbetrag am Werkstättenkonto -worauf per Mail sofort der Rest eingemahnt wurde. Ohne Reaktion von Euroherc. Erst am 5. November langte endlich der Rest ein.

Nicht besser lief es bei einem Mazda-Kaskoschaden: Der Kunde brachte das Fahrzeug am 17. Mai in die Werkstatt; besichtigt wurde es am 23. Mai. Am 30. Mai war die Reparatur fertig und die Rechnung ging samt Zession und Schadensbericht an Euroherc. Am 18. Juni entschloss man sich zur ersten Urgenz, am 5. Juli zur zweiten und am 7. August zur dritten. Irgendwelche Euroherc-Rückmeldungen gab es keine. Erst am 20. August ist das Geld dann tatsächlich bei der Werkstätte gelandet.

Geringer Marktanteil - wenige Fälle

Aufgrund der geringen Marktpräsenz hält sich die Zahl der Euroherc-Schadensfälle derzeit noch in Grenzen. Damit auch der Ärger, den sich eine Werkstätte mit derartigen Unfallreparaturen einhandelt. "Die Fälle sind noch zu selten", bagatellisiert Citroën Wien daher eine von Euroherc verschleppte Schadensabwicklung. Die Bezahlung der Reparatur erfolgte letztlich über die Kasko-Polizze des Kunden bei Generali - was problemlos über die Bühne ging.

Naheliegenderweise landen solche Schadensfälle auch bei zahlreichen Versicherungsmaklern, die sich für ihre Kunden bei den gegnerischen Haftpflichtversicherungen um eine prompte Schadensabwicklung bemühen. "An sich eine für jeden Makler unliebe, aber einfache Aufgabe -Fremdschäden abwickeln", hat Komm.-Rat Rudolf Mittendorfer als Konsumentensprecher des Fachverbandes der Versicherungsmakler im Verbandsorgan "RisControl" seine Erfahrungen mit Euroherc geschildert. "Ich musste feststellen, dass dieses Unternehmen -den Begriff Versicherung will ich bewusst vermeiden, denn das setzt Leistung voraus -wochen-und monatelang nicht in derLage oder willens war, überhaupt eine Schadensnummer zu vergeben", gab es Dutzende Versuche mit endlosem Läutenlassen, um hin und wieder zu Telefonkontakten zu kommen, die vollkommen wirkungslos waren.

Verzögerung als Taktik

Er berichtete von Maklerbeschwerden, die über vorenthaltene Provisionen klagten. Und von einem Kunden, der mit seinem Mercedes zu seiner Vertrauenswerkstatt fuhr, um dort zu erfahren, dass diese Werkstatt keine Reparaturen für Euroherc mehr übernimmt. Von einem Mitarbeiter wurde dies begründet, dass Euroherc schon über 100.000 Euro schuldig sei. "Bei Schadensfällen werde zuerst alles bestritten, um sich nach einigen Monaten auf einen Teil der Schadenssumme zu einigen", konstatiert Mittendorfer. "Man macht die Geschädigten offenbar gezielt mürbe. Dieses Prozedere muss ja erst einer einmal aushalten." Das deckt sich mit den Erfahrungen jener Kfz-Werkstätten, die auf eine "Zusammenarbeit" mit Euroherc dankend verzichten. Selbst auf das Risiko, damit einen Stammkunden zu vergrämen.

Startprobleme oder System?

Offiziell gibt sich Euroherc gegenüber Konsumentenschützern zerknirscht. Tatsächlich ist das Ganze nicht auf überlastete Mitarbeit zurückzuführen - sondern hat System. Deshalb sollen Kritiker mundtot gemacht werden. So flatterte RisControl wegen des Mittendorfer-Interviews prompt eine anwaltliche Unterlassungsaufforderung ins Haus. Die Berichterstattung erwecke "beim Publikum eine nachteilige Meinung vom Euroherc-Geschäftsbetrieb" und sei somit kreditschädigend. Neben der Unterlassung solcher rufschädigender Berichte sei Euroherc für diese Kränkung "eine angemessene Entschädigung von 10.000 Euro zu bezahlen". Als Trostpflaster für Euroherc, für die das Österreichgeschäft doch nicht so laufen dürfte, wie sich das ihr beratungsresistenter Boss Dubravko Grgic ursprünglich vorgestellt hatte.

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