Heißes Thema Nachfolge

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Heißes Thema Nachfolge
FH Kufstein

Mario Situm

Im Zusammenhang mit dem Prozess der Übergabe müssen viele unterschiedliche Fragestellungen berücksichtigt und bewältigt werden.

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von Prof. (FH) DDr. Mario Situm, MBA

Die erste Entscheidung ist, ob die Nachfolge intern erfolgen soll, also an ein Mitglied der Familie übergeben wird. Wenn dem nicht so ist, dann verbleiben noch drei Optionen: Die Übergabe an den internen Nachfolger mit Einsetzung eines Fremdgeschäftsführers, die Übergabe an einen externen Übernehmer (beispielsweise im Sinne eines Management-buy-Out (MBO) oder Management-buy-In (MBI) etc.) oder, falls gar kein Nachfolger gefunden werden kann, die Liquidation beziehungsweise Schließung des Unternehmens.

Die Optionen der externen Nachfolge als auch jene des Fremdgeschäftsführers scheinen in den letzten Jahren vermehrt an Attraktivität zu gewinnen und sollten zu Beginn der Überlegungen nicht ausgeschlossen werden. Die interne Nachfolge bleibt jedoch die am meisten umgesetzte Form der Betriebsübergabe.

Erfolgsfaktoren der erfolgreichen Übergabe
Selbstverständlich hat jedes Unternehmen einen individuellen Charakter und unterscheidet sich dadurch von anderen Unternehmen. Aus vielen Betriebsübergaben haben sich jedoch Erfolgsfaktoren herauskristallisiert, welche man sowohl als Übergeber als auch Übernehmer beachten und umsetzen sollte.

Der wohl wesentlichste dieser Faktoren ist die Qualifikation des Nachfolgers. In der Praxis ist es oft schwierig, die Managementqualitäten des Nachfolgers zu bewerten: Die bisherige Unternehmensperformance ist ja auf den Übergeber zurückzuführen, der auch die Unternehmenskultur und die darin enthaltenen Wertesysteme geprägt hat. Es wird einer fundierten Ausbildung für den Übernehmer bedürfen, welche sowohl fachliche als auch praktische Expertise und Erfahrung inkludiert.

Einen weiteren Erfolgsfaktor stellt die transparente und verständliche Kommunikation gegenüber unterschiedlichsten Stakeholdern dar. Dies betrifft etwa Kreditinstitute, welche in einer anstehenden Betriebsübergabe immer ein Risiko sehen, welches entsprechend bewertet werden muss. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen und aufzuzeigen, dass der Übernehmer die erforderlichen Managementqualitäten besitzt, um das Unternehmen weiterhin nachhaltig erfolgreich zu führen.

Auch wichtige Lieferanten und Kunden sollten auf die anstehende Nachfolge vorbereitet werden. Dies erfolgt am besten durch persönliche Gespräche zum Kennenlernen und Austauschen. Hier gilt es wiederum, Vertrauen zu schaffen, aber auch darum, das bestehende Netzwerk des Unternehmens aufrecht zu erhalten und unter Umständen sogar zu erweitern.

Selbstverständlich müssen unbedingt die Mitarbeiter im Unternehmen über die anstehende Betriebsübergabe informiert werden. Ein Wechsel in der Führung bedeutet in aller Regel auch, dass es eine mehr oder weniger starke Veränderung in der Unternehmenskultur geben wird. Deshalb kann oft nicht vermieden werden, dass Mitarbeiter nach der Übergabe das Unternehmen verlassen, was aber als ein „natürlicher Selektionsprozess“ zu sehen ist, welcher sich mit der Veränderung an der Unternehmensspitze ergibt. Je stärker der Wandel in der Unternehmenskultur ausfällt, desto mehr Mitarbeiter werden verloren gehen. Aus Erfahrungen weiß man, dass dies 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter betreffen wird.

Familiär Klarheit schaffen, Change-Management aufsetzen
Auch innerhalb der Unternehmerfamilie muss klar festgelegt werden, wer wie und in welchem Ausmaß im Rahmen der Übergabe beteiligt ist. Finanzielle und vermögensrechtlichen Belange (z. B. Anteile am Unternehmen, Schenkung von Eigentum etc.) sind zu klären. Leider zeigen viele Fälle aus der Praxis, dass fehlende Regelungen innerhalb der Familie zu kostspieligen und langwierigen Problemen führen, welche sogar den Bestand des Unternehmens gefährden können.

Als „umhüllende Begleiterscheinung“ braucht es ein gut überlegtes und abgestimmtes Change-Management-Konzept. Bei Mitarbeitern entsteht durch Veränderungen ein Gefühl der Ungewissheit, das führt zu Ängsten und Widerständen. Diese sind für eine reibungslose und zügige Umsetzung hinderlich und sollten daher mit entsprechenden Techniken aufgelöst werden. Um eine professionelle Umsetzung gewährleisten zu können, ist es empfehlenswert, das Change-Management mit einem erfahrenden Berater aufzusetzen.

Meilensteine zur Vorbereitung bzw. Umsetzung
Es ist empfehlenswert, sich frühzeitig mit der Betriebsübergabe auseinanderzusetzen und hierzu eine Meilensteinplanung aufzusetzen. Ich rate dazu, sich fünf bis sieben Jahre „Übergabezeit“ für die Vorbereitungen zu geben.

Aus Sicht des Übergebers muss dann auch der tatsächliche Wille vorhanden sein, sich vom bisherigen Lebenswerk zu lösen. Selbiges gilt für den internen Nachfolger: Will er oder sie freiwillig die Übernahme antreten?

Übernehmer sollten zumindest drei bis fünf Jahre lang Erfahrungen in einem anderen Unternehmen gesammelt haben, das hilft auch, den Respekt der Mitarbeiter zu gewinnen. Während der Übergabezeit hat sich bewährt, dass der potenzielle Nachfolger dann im Familienunternehmen in einer Führungsfunktion (etwa als Teamleiter) eingesetzt wird, um einen Verantwortungsbereich zu bekommen und auch die Gelegenheit hat, erste eigenständige Entscheidungen treffen zu können. Der Übergeber steht während dieser Zeit als Mentor zur Verfügung und bleibt Hauptverantwortlicher für die geschäftlichen Agenden. Sukzessive können dann weitere Verantwortungsbereiche übergeben werden, sodass der Nachfolger immer stärker zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann.

Im letzten Schritt muss dann die effektive Übergabe erfolgen. Ab diesem Zeitpunkt muss allen Stakeholdern klar sein, dass der Übergeber keine Entscheidungen mehr trifft und die ausschließliche Hoheitsgewalt über das Unternehmen auf den Nachfolger übertragen wurde.

Vorbereitung und Beratung
Unternehmensnachfolge beziehungsweise Betriebsübergabe ist kein leichtes Unterfangen, sie ist eine Aufgabe, die sich nicht „trainieren“ lässt; man führt sie nur ein Mal durch. Deshalb ist sie auch für grundsätzlich entscheidungsfreudige und erfahrene Manager Neuland.

Aus diesem Grund macht es Sinn, diesen Prozess durch einen erfahrenden Berater zu begleiten, welcher neben dem Consulting auch als Sparringpartner agieren sollte, damit Meilensteine gesetzt und konsequent umgesetzt werden. Selbstverständlich sollten die Empfehlungen von Rechtsanwälten und Steuerberatern eingeholt und umgesetzt werden.

Der wichtigste Tipp: Je besser die Betriebsübergabe geplant und vorbereitet wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie erfolgreich umgesetzt werden kann.  

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