11. A&W-Tag: Der Vormittag

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11. A&W-Tag: Der Vormittag

488 Branchenexperten haben sich am 23. Oktober 2018 in der Wiener Hofburg zum 11. A&W-Tag versammelt. Wir haben die Vorträge vom Vormittag für Sie zusammengefasst.

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In der Begrüßung zum Konvent skizzierte A&W-Geschäftsführer Stefan Binder einen Überblick über die breite Themenpalette unter dem Motto „Future Mobility“. Durch den Wandel der Produkte – Elektroauto, Autonomes Fahren und Digitalisierung – ergeben sich Veränderungen: Wie wird sich das Nutzungsverhalten des Kunden ändern? Welchen Einfluss hat das auf Wertschöpfung? Welche Strategien benötigt es? Welche Rolle spielt der Onlinevertrieb? Wie kommunizieren wir mit dem Kunden? Wer hat künftig Zugriff auf die Daten? „Wir als Verlag werden die Veränderungen begleiten“, so Binder, der auf den verlagseigenen Online-Auftritt www.future-mobility.at und die mit Jahresende erscheinende Sonderausgabe verwies.

Auch im Jahr 2030 wird das Auto in Österreich eine wichtige Rolle spielen, wie Michael Gawanda, Head of Motornetzwerk bei willhaben in seinem Vortrag erläuterte. Im Rahmen einer Umfrage unter mehr als 1.000 Österreichern wurde deren zukünftiges Nutzungsverhalten erhoben.  Wie aber werden die Konsumenten in Zukunft ticken? 70 % der Befragten verbinden das eigene Fahrzeug mit Mobilität „wobei es ein spürbares Stadt-Land-Gefälle gibt“, wie Gawanda unterstreicht. Demnach glauben 76%, dass sie auch in 10 Jahren gleich viel fahren werden. 55 % können sich vorstellen, ein autonomes Fahrzeug zu nützen, 38 % erwägen, in den nächsten 2 Jahren ein E-Auto zu kaufen. Und das Wichtigste: 75 % der Befragten glauben, dass sie 2030 immer noch ein Auto besitzen werden.

Josef Frauscher, Vorsitzender Expertenkreis Technik & Umwelt im Bundesgremium des Fahrzeughandels, widmete sich dem äußerst komplexen Thema WLTP. Von der Umstellung auf das neue Abgasmessverfahren seien sowohl Importeure als auch der Einzelhandel massiv betroffen: „Die Hersteller ersticken derzeit in der Gesetzgebung. Es galt innerhalb relativ kurzer Zeit 2.000 Seiten Vorschriften umzusetzen, was auch zu einem Ressourcenmangel bei Prüfständen und den Typprüfungsbehörden geführt hat.“ Die Grenzwerte hätten sich zwar nicht geändert, die Möglichkeiten, diese zu erreichen, seien aber wesentlich schwieriger geworden. „Da die Möglichkeiten zur CO2-Reduktion im Güterverkehr eher gering sind, muss der Pkw viel davon abfedern. Um die Klimaschutzvorgaben einzuhalten ist es daher nahezu unumgänglich, dass der Pkw 2050 kein CO2 mehr ausstößt.“ Fix sei, dass sowohl WLTP als auch rückgerechnete NEFZ-Werte massive Steuererhöhungen bei der NoVA bringen.

„Wir haben die höchsten Steuern in der EU ohne einen Kilometer zu fahren“ wie Günther Kerle, Sprecher der Österreichischen Automobilimporteure im Rahmen der Podiumsdiskussion „Wann wird die Nova abgeschafft?“ unterstrich. Da der Finanzmister wohl nicht auf diese Steuereinnahmen verzichten werde, könnte die derzeit extrem komplizierte NoVA-Berechnung durch eine moderate Erhöhung der MöSt ersetzt werden. BGO Ing. Komm.-Rat Klaus Edelsbrunner ergänzt: „Je nach Berechnung ergibt sich durch die Einführung von WLTP eine stille Steuererhöhung von 100 bis 150 Mio €. Wenn die NoVA nicht abgeschafft wird, braucht es einen Plan B in Form einer radikalen Vereinfachung der NoVA Berechnung.“

Dass die NoVA einen gewissen Lenkungseffekt hat, betont ÖAMTC-Interessensvertreter Mag. Bernhard Wiesinger: verbrauchsstärkere Fahrzeuge werden stärker besteuert. Dies wäre bei einem Ersatz der NoVA durch eine Erhöhung der MÖst nicht mehr gegeben. Daher glaubt Wiesinger nicht, dass auf die NoVA verzichtet werden kann und pocht auf die für 2019 versprochene Anpassung: „Wir müssen schauen, dass die Steuerquote insgesamt nicht weiter steigt. Die ist heute schon auf einem Höchstlevel!“

Anstelle der NoVA kann sich Mag Alfons Fischer, Aufsichtsratsvorsitzender MVC Motors, eine Kombination aus Vorsteuerabzugsberechtigung bei Firmenfahrzeugen und einer km-abhängigen Pkw-Maut wie Roadpricing vorstellen. Als realistisch sieht er aber, dass die NoVA bleiben werde.

Obwohl sich die Elektrifizierung weiter durchsetzt, wird auch die Nachfrage nach Öl nach wie vor steigen, blickt Gerhard Wolf, Geschäftsführer Castrol Austria, ins Jahr 2040. Grund sei das Wachstum in den Entwicklungsländern und die Abwanderung der Schwerindustrie nach Indien oder Afrika. Der Energiemix werde 2040 so vielfältig sein wie noch nie und doch werden Erdgas und Öl gemeinsam mehr als die Hälfte des weltweiten Energiebedarfs decken.

Fachkräftemangel ist ein gravierendes Branchenproblem, darin sind sich BGO Komm.-Rat Ing. Klaus Edelsbrunner,  Mag. Barbara Weiss (Leitung Personalentwicklung & Recruiting bei Denzel) und Dr. Christian Pesau (Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure) einig. Mit einem „absolut neu geschaffenen Lehrgang“ – der eine Kombination von Berufsschule und FH-Lehrgang (in Zusammenarbeit mit der FH Kufstein) darstellt – soll über einen „systematischen Karrierepfad“ das Image der Lehre verbessert werden. Das Motto dabei lautet „Vom Lehrling zur Führungskraft“ und erlaubt der Zielgruppe – alle Personen mit Pflichtschulabschluss – einen Einstieg je nach Qualifizierungsgrad. Dadurch ist es möglich, dass der Lehrling bis zum MBA-Abschluss studiert. Neben Kufstein wird die Ausbildung auch in Wien und der Steiermark angeboten.

Axel Berger, Vorstandsvorsitzender CG Car-Garantie Versicherungs-AG, stellte in seinem Vortrag „Automobilhandel in Wandel“ die Zusammenhänge zwischen Online- und Offline-Handel in den Mittelpunkt. Klar sei, der Online-Handel von Fahrzeugen werde steigen – nicht zuletzt, weil die Hersteller den Direktvertrieb forcierten. Doch da „wir Menschen nach wie vor in archaischen Strukturen leben“, würde der Autohandel „nicht von heute auf morgen von einem Transformationsprozess überrollt“. Veränderung finde aber statt, weshalb die Autohändler rechtzeitig die „Weichen stellen“ müssten. Neben der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Online-Neuwagenverkaufs­ und die Kundenbindung im WWW (Stichworte: interaktive, übersichtliche Händler-Webseiten mit einfachen Buchungssystemen) sollte sich jedes Autohaus nach wie vor auf den direkten Kundenkontakt im Autohaus konzentrieren. Berger: „Das ist der USP des Handels, den die Hersteller gar nicht abbilden können.“

Für Walter Birner ist vor allem die Werkstätte die Stütze für das Geschäft eines Autohauses – und werde auch die Basis für die Zukunft sein. Es werde sich allerdings die Art und Weise, wie das Geschäft laufe, ändern – zukünftig könnte das Handy dem Besitzer mitteilen, wann er in die Werkstatt zum Service muss. Das Ganze funktioniere über die Daten, die das Auto liefere – über die sollte laut Birner übrigens nur der Besitzer verfügen dürfen. Er prognostiziert, dass 2030 ein Viertel des Geschäfts in Autohäusern mit Daten gemacht werden wird.

Nikolaus Menches von Auto1.com ist sich sicher, in Zukunft werden Werkstätten und Autohäuser wieder vermehrt mit Gebrauchtwagen handeln – auch wenn gerade dieser Branchenbereich einem starken Wandel unterzogen sei. Unter anderem, weil der Kunde von heute besser informiert sei. Menches plädiert darauf, nicht den professionellen Händler oder die Werkstatt als Hauptkonkurrenten zu sehen, denn es sei der „Nachbar, der private Verkäufer“, der im Netz den Wert seines Autos erffahre und es selber verkaufe.

Nachdem die Technik besser ist, Serviceintervalle länger sind und der Reparaturanteil sinkt, sieht Ing. Wolfgang Stummer, Geschäftsführer bei Goodyear Dunlop Austria, die Rückholung von an andere ausgelagerte Bereiche als Chance für die Werkstätten. So gebe es mit dem Reifengeschäft die Chance, den Kunden 2 Mal im Jahr zu betreuen: „Das Potential ist noch nicht komplett ausgeschöpft!“

Bei 6 Mio. Fahrzeugen – 5 Mio. davon Pkw – sieht der designierte BIM der Kfz-Techniker und steirische LIM Josef Harb noch ausreichend Kundenpotential für die Werkstätten. Für die Zukunft sei Kundennähe wichtig, um Kontaktmöglichkeiten wie die 2 Reifenwechsel zu nutzen und durch Aus- und Weiterbildung die besten Köpfe in den Betrieben zu haben. Klar sei für ihn, dass die Werkstätten die Daten der Fahrzeuge bekommen werden, gratis werde es diese aber nicht geben.

Bei autonomen Fahrzeugen für den Transport von Menschen und Gütern mache Autonomes Fahren nur Sinn, wenn man den menschlichen Fahrer ganz ersetzen kann. Flottenbetreiber bereiten sich darauf vor, direkt zu fahrerlosen Systemen zu wechseln, verriet Dipl.-Ing. Harald Barth, Product Marketing Manager des Automobilzulieferers Valeo. Privatfahrzeuge werden dagegen auch noch langfristig die Möglichkeit bieten, selbst das Steuer übernehmen zu können: Weil es auf längere Sicht noch Straßen und Gebiete geben wird, in denen die automatisierte Fahrfunktion nicht verfügbar ist und Valeo  dem Autofahrer nicht nehmen und Gelegenheit zum Selbstlenken geben wolle.

Sind Autohändler „Bergführer oder Reiseleiter?“ Diese Frage stellte Hansjörg Mayr, Vorstand und Chief Digital Officer, Wolfgang Denzel Auto AG/Wien, an den Anfang seines Vortrags. Während der Autohandel früher die Rolle des Bergführers gespielt und den Kunden so zum Ziel geführt habe, gehe es heute darum, ihn während der gesamten „customer journey“ zu begleiten. Früher habe diese „mit dem Besuch im Autohaus begonnen, heute schon viel früher online.“ Um im Geschäft zu bleiben, „muss sich das Autohaus viel mehr auf Generierung von eigenen Leads auf der Homepage konzentrieren." Wenn man das nicht schaffe, sei es besser, diesen Teil auszulagern. Entscheidend sei beim Online-Geschäft einerseits die Geschwindigkeit, andererseits auch die Plattform, führte Mayr aus: Gerade die junge Generation wolle digitale Angebote mobil, also zeitlich und örtlich unabhängig, nutzen.

Den Athene-Preis 2018 überreichte heuer erstmals ein Europameister: Der Niederösterreicher Klaus Lehmerhofer, der bei der Berufsmeisterschaft EuroSkills 2018 in Budapest die Goldmedaille für Kfz-Technik gewonnen hatte, ehrte Mohamedelaziz Mosteghanemi. Der Kfz-Techniker zeigte außergewöhnliche Courage und überwältigte erfolgreich vor der Euromaster-Filiale 1230 Triester Straße, in der er tätig ist, einen Verbrecher, der ein altes Ehepaar beraubt hatte. •

Dellenteam: Finger weg von orangen Kabeln!

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Die Teilnehmer der – exklusiv für Mitglieder des österreichischen Netzwerks Dellenteam veranstalteten – Weiterbildung „HV1 für Dellentechniker“ wissen nun Bescheid, was bei Zerlegearbeiten und Dellenreparaturen an Elektrofahrzeugen zu beachten ist.

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