Vergeudete Talente

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Vergeudete Talente

Symbolfoto

Die Diskussion um die von der Abschiebung bedrohten Asylwerber in Lehre lässt kaum jemanden kalt. Ihr derzeit ungewisses Schicksal bewegt viele Menschen im Land ebenso wie zahlreiche Unternehmer und Insider der Automobilbranche.

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Seitens der Opposition, aber auch vieler Unternehmen hagelte es heftige Kritik, als die Pläne der Regierung bekannt wurden, in Ausbildung stehende Asylwerber abschieben zu wollen. Künftig soll jungen Aslywerbern – so will es die Regierung – der Zugang zu einer Lehre verschlossen bleiben. Letzterer wurde 2012/2013 vom damaligen Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (in Abstimmung mit dem Innenressort und Integrationsstaatssekretariat) in Mangelberufen für Jugendliche bis 25 Jahre geöffnet. Je stärker der Lehrlingsmangel, desto stärker wurde diese Möglichkeit von AsylwerberInnen und Betrieben aufgegriffen. Waren es 2012 erst 14 Jugendliche, so sind es aktuell 1.023 ausgestellte Beschäftigungsbewilligungen für Asylwerbende in Lehre in ganz Österreich, was etwa einem Prozent der derzeit im Land beschäftigten Lehrlinge (106.000) entspricht.

 

 

 

Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) will an der Entscheidung festhalten, Asylwerber künftig nicht mehr zur Lehre zuzulassen. Man werde den Erlass aus dem Jahr 2012 streichen, wie Strache im ORF-„Sommergespräch“ unterstrich. Dadurch soll laut Strache verhindert werden, dass der Rechtsstaat über diesen Weg „ausgehebelt“ werde. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck argumentierte damit, dass sich derzeit 8.600 anerkannte Flüchtlinge unter 25 Jahren, die einen Job suchen, in Österreich aufhalten, weshalb geplant sei, die Lehre für Asylwerber abzuschaffen. Asylwerber, die bereits eine Lehre machen, sollten diese aber nun doch abschließen dürfen. Auch bei jenen, die einen negativen Asylbescheid bekommen haben, würden die rechtlichen Möglichkeiten, die Lehre fertig zu machen, geprüft werden.

Bleiberecht aus humanitären Gründen 

Die österreichische Wirtschaft brauche Lehrlinge und sei bisher stets froh gewesen, in diesem Reservoir schöpfen zu dürfen, erklärt Karl Heinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreichs. 

 

 

Die WKÖ stelle sich aber vor, dass es ersatzweise eine Zugangsmöglichkeit für eine Art Aufenthaltstitel für Lehrlinge aus Drittstaaten geben sollte, ähnlich wie dies bei Schülern und Studenten bereits jetzt möglich sei. Bei jenen Lehrlingen, die schon negativen Asylbescheid hätten, ginge die WKÖ davon aus, dass es hier aus humanitären Gründen ein Bleiberecht für diese Lehrlinge geben werde und geben müsse.

Mehr Rechtssicherheit für Betriebe

Die Bundesregierung habe nun eine Trennung zwischen Asyl und Zuwanderung auf Basis des Fachkräftebedarfs getroffen. Dies helfe den Betrieben künftig, weil damit Rechtssicherheit geschaffen werde, meint Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ. Der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober (Die Grünen) spricht im Zusammenhang mit dem geplanten Abschaffen des Zugangs zur Lehre für Asylwerber von einer „dramatischen Fehlentscheidung“. Fast 500 AsylwerberInnen in Lehre seien derzeit nach einem Negativbescheid in der ersten Instanz von Abschiebung bedroht. Diese drohenden Abschiebungen von integrierten Asylwerben sei der Grund für den Start der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ gewesen. Gemeinsam mit den vielen Unterstützern der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ wolle er sich konsequent vergewissern, dass die Zusage, wonach es auch bei Negativbescheiden zu keiner Abschiebung von Lehrlingen kommen werde, eingehalten werde: „Wir werden bei jedem einzelnen betroffenen Lehrling begleitend kontrollieren.“

Nachgefragt bei...

... Wilhelm Weintritt, Chef der Autohäuser Weintritt /Baden, Neusiedl und Eisenstadt

„Ich finde es unmenschlich, wenn jugendliche Asylwerber, die in Österreich eine Lehre absolvieren, abgeschoben werden“, meint Wilhelm Weintritt, Chef der Autohäuser Weintritt /Baden, Neusiedl und Eisenstadt. „Sie sollten zumindest ihre Ausbildung beenden können.“

... Manfred Ellensohn, Vorarlberger Landesgremialobmann und Seniorchef des Autohauses Ellensohn

Eine Abschiebung von Lehrlingen, die auf ihren Asylbescheid warten, hält Manfred Ellensohn, Vorarlberger Landesgremialobmann und Seniorchef des Autohauses Ellensohn, für kontraproduktiv. „Wir brauchen die Lehrlinge, viele wollen arbeiten. Sie abzuschieben, halte ich für falsch.“

... Mag. Hubert Aichlseder, Geschäftsführer Autohof und Kärntner Landesgremialobmann

„Wir haben einen Fachkräftemangel, und wenn ich jetzt jemanden habe, der unseren Sprach- und Kulturkreis akzeptiert und sich zum Facharbeiter ausbilden lässt, müsste Österreich dumm sein, solche Leute wegzuschicken“, sagt Mag. Hubert Aichlseder, Geschäftsführer Autohof und Kärntner Landesgremialobmann.

... Prof. Burkhard Ernst, Wiener Landesgremialobmann und Vorstand der Rainer-Gruppe

„Wenn sich jemand hier integriert, bemüht und brav arbeitet, ist für mich auch denkbar, ihn einzubürgern, denn wir haben sowohl einen Fachkräftemangel als auch einen Mangel an arbeitswilligen Lehrlingen“, sagt Prof. Burkhard Ernst, Wiener Landesgremialobmann und Vorstand der Rainer-Gruppe.

... Konrad Steindl, Präsident der Salzburger WK

„Lehrlinge, die noch auf ihren Asylbescheid warten und schon ein oder zwei Jahre in Betrieben arbeiten, sollten ihre Ausbildung fertig machen und danach nach dem Vorbild Deutschlands eine zweijährige Berufspraxis absolvieren können“, so Konrad Steindl, Präsident der Salzburger WK.

... Ing. Peter Nemeth, Präsident der WK Burgenland

„Eine gute Idee wäre es, wenn man sich an die Gesetze hält“, sagt Ing. Peter Nemeth, Präsident der WK Burgenland. Recht müsse Recht bleiben, aber „man sollte für diese Jugendlichen eine Möglichkeit finden, dass sie rechtmäßig hier bleiben und ihre Ausbildung fertig machen können.“

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