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Ausgabe
06
2018


APPgefahren

Gewerbe

Die Reifenwirtschaft bringt vieles in Bewegung, ist aber auch selbst stark in Bewegung. Vieles passiert vor und noch mehr hinter den Kulissen. A&W begab sich auf der "The Tire Cologne" auf Faktensuche.


Digitalisierung bestimmt die Zukunft des Reifens. Das vor dem Hintergrund der Konsolidierung der etablierten Reifenhersteller in Westeuropa, die unrentable Produktionskapazitäten aufgeben, während asiatische, insbesondere chinesische (Chem-China/Pirelli) und mit vorrangig europäischem Know-how ausgestattete Wettbewerber mächtig Marktdruck aufbauen.

Reifenhersteller beteiligen sich am Reifenhandel, wollen näher zum Endkunden. Als Beispiele werden Apollos Übernahme von Online.Händler, reifen.com oder Sumitomos Takeover von Micheldever in UK genannt.

Gleichzeitig etablieren sich neue Spieler im Reifenhandel. Der Private Equity-Arm von Bain Capital schnappte sich gleich zum Einstand mit der European Tyre Distribution Ltd Fintyre Italia und die deutsche Reiff-Gruppe mit geschätzten 6 Millionen Reifen Einkaufsvolumen.

Online-Riesen wie Amazon oder in Deutschland ganz groß check24 nehmen den Reifenmarkt ins Visier und immer mehr Start-ups mit innovativen Konzepten zwingen den Reifenhandel bei unablässiger Leistungssteigerung zum Preis-Striptease.

Daten -das neue Gold

Das alles spielt sich im mächtigen Streit um den Datenzugang und die Nutzung von Kunden-,Fahrzeug-und Reifendaten zwischen Automotive OEMs, Reifenherstellern, Handel und Start-ups ab. Der Slogan auf der von Essen nach Köln abgewanderten Weltleitmesse für Reifen war deutlich zu hören: Data ist the new Rubber! Der Fight umKönig Kunde ist voll entbrannt mit neuen Spielern und brutal neuen Spielregeln. Österreichs Reifenszene sieht sich bei aller Marktverdrängung und neuer Vermarktungsmethoden aufgrund ihrer Kleinstrukturiertheit für die Zukunft gerüstet. Auch vor der Datenmacht in den Händen weniger Globalplayer fürchtet man sich nicht, sagen sie. Wer der Herr der Ringe (Räder) ist, liegt ohnehin nicht in ihren Händen, also konzentrieren sie sich im Kampf um König Kunde auf das täglich Machbare.

Der meist familiengeführte Unternehmer sucht in Partnerschaften mit seinen wegweisenden Konzepten rund um Reifen, Räder und Kfz-Service sein Heil und will bestehendes immer weiter optimieren, weil genau das der Markt mit seinem unersättlichen Angebot verlangt. Start-ups wiederum helfen durch Digitalisierung von Abläufen, Transparenz in die sich verändernden Strukturen zu bringen. Der Faktor Zufall soll möglichst weit zurückgedrängt werden. Das bisherige Reifenhandelsgeschäft wird neuen Spielregeln ausgesetzt, die Rollen neu verteilt. Start-ups setzen sich über alles darüber. Der will smart bedient werden, aus einer unendlichen Produkt-und Leistungsauswahl in möglichst preisgünstiger Konstellation. Der Endkunde muss in der Regel alle 4 Jahre die abgefahrenen Reifen ersetzen. Man dürfe behaupten, dass ein normaler Endkunde mit der Bewertung der objektiven Produktmerkmale eines Reifens völlig überfordert sei und stattdessen auf Ersatzkriterien zurückgreife, konstatiert Dr. Rainer Landwehr, vor seiner Beratertätigkeit jahrelang Vertriebsdirektor bei Goodyear-Dunlop. Laut Marktforschungsstudien sind die wichtigsten Kaufentscheidungsgründe für Ersatzreifen die Händlerempfehlung (48 Prozent), der Anschaffungspreis (44 Prozent), positive Testergebnisse (36 Prozent) und Vertrauen in die Marke (30 Prozent).

Am POS entscheidet sich Erfolg

Die richtige Entscheidung erfolgt also immer noch am Point of Sales. Die Rollen werden jedoch neu verteilt. Kunden-und Fahrzeugdaten werden telemetrisch abgegriffen. Neu in die Reifenverkaufswelt drängt der Begriff Smart-Reifen in Verbindung mit dem freien Datenzugang. Mit Produktintelligenz - die zum Beispiel via App den Reifenverschleiß abfragt - werden detaillierte und maßgeschneiderte Angebote kreiert. Die Google-Suche wird abgelöst/unterstützt vom Begriff "Künstliche Intelligenz".

Der Kunde kann, je nach Ausrichtung ständig auf das wachsende Angebot zurückgreifen -das bei organisch nicht wachsendem Markt.

Die Vermarktungssysteme nähern sich an. Kümmerten sich vor Jahren der Reifenhandel in geradezu friedlicher Koexistenz um das Reifenersatzgeschäft und die Automobilhändler um das Aftersales rund ums Auto, bewegen sich diese Parteien aufeinander zu. Die Automobilhersteller wiederum haben realisiert, dass sich das Ersatzreifengeschäft recht gut als Kundenbindungsmaßnahme eignet und geben ordentlich Druck, Stichwort herstellermarkierte Reifen deutscher Provenienz oder ein Satz Winter-oder Sommerreifen gratis beim Kauf eines Neu-oder Jungwagens dazu. Und dann gibt es eine Vielzahl von digitalen Dienstleistern, die sich primär auf den Zugang zum Kunden konzentrieren. Ziemlich unabhängig davon, ob nun Reifen oder automobile Services angeboten werden.

"Vorausschauender Reifenwechsel"

Vereinfacht ausgedrückt: Der Reifenhandel möchte dem Automobilhandel etwas vom angestammten Geschäftsfeld abzwicken, der Autohandel noch stärker in das Ersatzreifengeschäft einsteigen. Lachende Dritte sind die Online-Anbieter.

Zahlreiche Reifenhersteller arbeiten aktuell an sogenannten smarten Reifen und Konnektivitätslösungen. Diese erfassen Reifendruck, Temperatur und Profiltiefe und melden das an das Fahrzeug bzw. den Fahrer weiter. Technologisch basiert das System auf im Reifen verbaute Chips, eine Bluetooth- Verbindung zum Smartphone/App und einer Cloud. Damit arbeiten die Reifenhersteller an dem "vorausschauenden Reifenwechsel".

Die Autobauer wiederum messen dem Zugang zu Fahrzeug-und Kundendaten höchste strategische Bedeutung bei und versuchen, nachhaltig den Zugang -nachgewiesenermaßen über die OBD 2 Schnittstellen für Diagnose-, Wartungs-und Reparaturarbeiten -zu diesen Daten für Dritte zu erschweren. Erst eine politische Entscheidung stellte jüngst klar, dass der Zugang über die OBD-Schnittstelle auch während der Fahrt gewährleistet werden muss. Die Kundenanforderungen von morgen im Zeitalter der Digitalisierung des Reifenfachhandels werden jetzt definiert. Vergleichsportale als Marktplatz führen Angebot und Nachfrage auf eine neue Ebene. Das ist gut für den Kunden Der Reifen muss auch weiterhin regelmäßig ersetzt werden, disruptive Technologien wurden auf der Reifenleitmesse nicht entdeckt. Das ist gut für die Reifenwirtschaft und wird sogar noch besser, wenn die E-Mobilität weiter voranschreitet. Wenn! E-Mobile verschleißen Reifen aufgrund ihres enormen Drehmoments deutlich schneller als konventionelle Fahrzeuge.

Die Digitalisierung und der Kampf um die Kundendaten haben die Reifenbranche voll erfasst.








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