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Ausgabe
04
2018


Der US-Präsident und die deutschen Autos

Diverses

Wer US-Präsident Donald Trump zum Freund hat, braucht keine Feinde. Die EU und die deutschen Autobauer haben unglücklicherweise Donald Trump als Freund. Ein Kommentar von Univ. Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer.


Bereits in seinem Wahlkampf um das US-Präsidentenamt im Jahre 2016 hat Trump den Deutschen und seinen Autobauern vorgeworfen, "sehr unfair" zu sein. "Ichwürde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent- Steuer, dann können sie das vergessen", sagte Trump in einem Interview mit der Bild-Zeitung im Januar 2017 auf die Frage nach Plänen des Münchner Autobauers BMW, 2019 eine Fabrik inMexiko zu eröffnen.

Wie sollte man damit umgehen? Wenn man Zollschranken und nicht-tarifäre Handelshemmnisse in der EU betrachtet, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass die EU kein Opferlamm ist. Eine ganze Reihe von EU-Mitgliedstaaten hat -etwa im Landwirtschaftsbereich -dafür gesorgt, dass die EU "einige" Branchen durch Importschranken abschottet. Dies gilt auch für Autos. So wird der Import von US-Pkws in die EU mit 10 Prozent Einfuhrzoll verteuert, während umgekehrt die USA nur 2,5 Prozent Importzoll berechnet. Die Reaktion von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, mit Zöllen auf Motorräder von Harley-Davidson oder Whisky zu antworten, ist eher ungeschickt. Man könnte auch dumm sagen. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Würde Trump seine Drohungen umsetzen, wären die deutschen Autobauer zum Teil deutlich betroffen. In einer Modellrechnung haben wir auf Grundlage der Produktions-und Verkaufszahlen des Jahres 2017 Importzölle von 12,5 Prozent für Autoimporte aus der EU nach USA kalkuliert. Das wären 10 Prozent mehr als heute. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass Trump keine Zollgutschriften für Exporte gibt. Ausgenommen sind in unserer Überlegung Autoimporte aus Kanada oder Mexiko in die USA, so wie es die Trump-Administration bereits angedeutet hat.

Das Kuriose an der Geschichte ist, dass ausgerechnet derjenige deutsche Autobauer, der die meisten Autos in den USA produziert, mit den höchsten Zollbelastungen rechnen müsste. BMW produzierte in den USA zwar mit Ausnahme des X1 seine gesamten X-Modelle, das waren 2017 etwas mehr als 370.000 Neuwagen. Aber alle Limousinen, also 2er, 3er, 4er, 5er, 6er, 7er, i3, i8 sowie der BMW X1 werden aus Europa nach den USA exportiert. Bei einem BMW-Mini-Durchschnittspreis von 42.700 Euro käme dann BMW auf zusätzliche Zollzahlungen von gut 1 Milliarde Euro. Bei Mercedes-smart müsste man mit 600 Millionen Euro an Zöllen rechnen, bei Audi eine ähnliche Höhe, wobei die Mexiko- Produktion des Q5 und sicher später weiterer Modelle hierzollsparend wäre. Porsche müsste bei einem Durchschnittspreis von 87.200 Euro und 55.000 Importen mit knapp 500 Millionen Euro an Trump- Zöllen rechnen und die Marke VW hätte aufgrund ihrer großen Mexiko-Produktion plus dem Werk in Chattanooga so gut wie keine Zölle zu befürchten. In Summe würden bei den deutschen Autobauern fast 3 Milliarden Euro an Trump-Zöllen auf die Gewinne drücken. Kein schönes Szenario.

Trump ist zwar unberechenbar, poltert und ist sicher kein angenehmer Partner. Aber die EU ist auch keine Herde aus "Unschuldslämmern". Die hohen Leistungsbilanzüberschüsse von Deutschland sind vielen schon länger mehr als ein Dorn im Auge. Ein für die deutsche Industrie "vorteilhafter", weil niedriger Euro, verschafft Wettbewerbsvorteile zusätzlich zu manchem "Importschutz". Wir müssen das Wort "fair" bei den Handelsbeziehungen der EU genauer anschauen. Es gibt gute Gründe, sich mit Donald Trump an einen Tisch zu setzen, auch wenn man ihn nicht mag.








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