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Ausgabe
03
2018


Vergesst mir die Werkstatt nicht!

Diverses

Prof. Willi Diez beschäftigt sich diesmal in seinem Kommentar mit dem wichtigen Werkstattgeschäft.


Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen im Neu- und Gebrauchtwagengeschäft scheint sich das Werkstattgeschäft in einem vergleichsweise ruhigen Fahrwasser zu befinden - aber es scheint nur so.  Denn auch im Aftersales kündigen sich große, vor allem technologiegetriebene Veränderungen an, die früher oder später auf die Werkstattauslastung und damit auch die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse durchschlagen werden.Jeder weiß: Der Service ist bei den meisten Autohändlern die wichtigste Ertragssäule und bei den freien Betrieben ohnehin zumeist das einzige Geschäftsfeld. Also sollte man die sich abzeichnenden Trends in diesem Bereich auf dem Radar haben. Erster Trend: Elektrifizierung. Elektroautos sind vielleicht gut für die Umwelt, aber nicht für das Werkstattgeschäft. Viele klassische Verschleißteile fehlen bei einem Elektromobil und vor allem: Es braucht keinen Ölwechsel. Damit fällt ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Ertragsbringer weg.

Zweiter Trend: Over-the-Air-Services. Immer mehr Arbeiten am Fahrzeug werden in Zukunft per Ferndiagnose festgestellt und dann Over-the-Air behoben. Das gilt natürlich vor allem für Software- Probleme und Updates. Konsequenz: Die Autos kommen noch seltener in die Werkstatt. Dritter Trend: Autonomes Fahren. Bereits jetzt ist erkennbar, dass die wachsende Ausstattung der Fahrzeuge mit Assistenzsystemen zu einem Rückgang der Unfälle führt. Das autonome Fahren ist im Hinblick auf die Sicherheit ein Quantensprung. Darunter werden vor allem das Karosserie-und Lackiergeschäft leiden. Vierter Trend: Digitale Service-Prozesse. Der Kunde will in Zukunft den digitalen Service-Prozess: Dazu Prof. Dr. Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen (D) gehört die Online-Terminreservierung wie auch die Information über den Stand der Wartungs- und Reparaturarbeiten in Echtzeit und per App. Sind wir in der Branche darauf schon vorbereitet? Alle vier Trends sind aber nicht nur Herausforderungen oder gar Bedrohungen -sie bieten auch neue Chancen. Wer ein Elektroauto kauft und es zu Hause tanken will, benötigt Beratung über das technische Equipment, das er dafür in seiner Garage braucht. Wäre das nicht ein neues und möglicherweise lukratives Geschäftsfeld für die Kfz-Branche?

Over-the-Air-Updates und Freischaltungen von bestimmten Fahrzeugfunktionen müssen dem Kunden verkauft werden. Hierfür wird es neuartige Provisionssysteme für den Handel geben, mit denen sich zusätzliche Erträge generieren lassen.

Das autonome Fahren wird dazu führen, dass das Auto vom reinen Transportmittel zum Lebensraum werden wird. Der Innenraum der Fahrzeuge wird sich verändern. Wenn das Auto künftig Büro, Entertainment-Center oder gar Fitness-Studio sein wird, erschließen sich hier auch zusätzliche Wartungsund Reparaturumfänge.

Und schließlich der digitale Service-Prozess: Er ermöglicht schnellere und effizientere Werkstattdurchläufe wie auch die zeitnahe Bereitstellung der für den jeweiligen Werkstattauftrag notwendigen Ersatzteile. Im Ergebnis kann dies für eine Produktivitätssteigerung und Erhöhung der Kundenbindung in derWerkstatt genutzt werden.

Natürlich kommen diese Veränderungen nicht von heute auf morgen. Aber bekanntlich fängt der frühe Vogel den Wurm! Und das heißt vor allem: Die Mitarbeiter müssen für diese neuen Aufgaben qualifiziert werden. Sie sind der Schlüssel, um die Chancen, die sich aus den technologischen Veränderungenergeben, zu erschließen. Konkret geht es um noch mehr Software-Kompetenz, aber auch um verkäuferische Fähigkeiten. Wenn der Umfang der "notwendigen" Arbeiten am Fahrzeug abnimmt, müssen verstärkt umsatzträchtige Zusatzleistungen angeboten und an die Frau oder den Mann gebracht werden.

Daher: Bei aller Ausrichtung auf den Fahrzeugverkauf - vergesst die Werkstatt nicht!








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