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Ausgabe
01
2018


Die Wirklichkeit nur Schein

Wirtschaft

Es kommt immer darauf an, wen man fragt, um aktuell die Bedeutung von Ausstellungen bzw. Messen einzuschätzen. Ein Versuch an den Beispielen Essen Motor Show und AutoZum Salzburg.


Wir konfrontierten mit unserer Einschätzung, dass Messen in ihrer Wirksamkeit dringend einer Erneuerung bedürfen, Veranstalter, Aussteller und Besucher. Das Ergebnis überrascht nicht: Messemacher loben sich ihre Veranstaltungen schön, Aussteller stöhnen bei sinkendem Besucherinteresse über steigende Kosten und Besucher über unzeitgemäße Ausstellerkultur. Ein in Messekommuniqués verwendeter Einstieg lautet stereotyp so: "Aussteller-und Besucherrekord, Exponenten und Besucher zufrieden!" Das ist natürlich zunächst einmal nur die halbe Wahrheit. Die einen nutzen Ausstellungen als Treffpunkt für Meinungsaustausch. Produkte und Dienstleistungen treten dabei in den Hintergrund, weil während des Jahres bei organisch längst nicht mehr wachsenden Märkten ohnehin Hersteller, Lieferanten und Dienstleister bei ein und derselben Klientel sich gegenseitig die Türklinke in die Hand drücken. Hausmessen sind ob der Gleichheit ihrer Aussteller auch kein längerfristiges Lösungsmodell, kosten aber einen Haufen Geld und bedienen wieder nur dieselbe Kundschaft.

Festgefahren im alten Denken Dennoch verteidigt jeder Messeveranstalter sein Reich mit Zähnen und Klauen und die zuständigen Fachmedien spielen mit, weil sie bislang wirtschaftlich davon partizipieren. Für das Neue, das Fremde will man sich nicht öffnen. Lieber nimmt man die Lüge mit der Ausstelleranzahl in Kauf (zuletzt exerziert von der "Essen Motor Show"), als im sich wandelnden Kundengewinnungsprozess neue Beziehungen einzugehen. Dieser Gefahr setzt sich soeben die Traditionsmesse "AutoZum" in Salzburg aus: 2019 droht weiterer Exodus von Ausstellern, die bislang diese Veranstaltung prägten. Schon im Jänner 2017 litt die Kfz-Fachmesse an Ausstellerschwund, längst ist sie keine repräsentative Fachmesse mehr mit einem kompletten Angebotsquerschnitt. "Alles schrumpft, nur die Besucherzahlen nicht", ätzt Rudolf Bayer, Geschäftsführer von Autoteile Klein, der sich bereits vor Jahren von dieser Messe verabschiedet hat. Aber auch Fahrzeugtuner Fosab, Onliner willhaben.at oder zahlreiche Reifenhersteller zeigen sich, wenn überhaupt, nur noch auf Gemeinschaftsständen. Die Lackindustrie ist weitgehend verschwunden. Zahlt sich nicht mehr aus, klagt sie. Da wundert es nicht, wenn mancher Verlag auf neue Ideen kommt und eine Messeveranstaltung an neuem Ort selbstaufziehen möchte. Erste Versuche (Stichwort Tabakmesse) gingen allerdings daneben. Wissensaustausch findet statt aus der Branche für die Branche -am besten auf etablierten Plätzen im lebendigen Austausch internationaler Fachkompetenz, die neue Geschäftsmodelle vermittelt, ohne alte Erfolgsmodelle zu substituieren. Die Wirtschaft signalisiert den Messemachern Veränderungswillen. Reed-Chef Benedikt Binder-Krieglstein will reagieren.

Neue Zeiten, neues Denken Ein Unterfangen, das völlig neue Denkansätze erfordert. Mit dem Austausch von Projektleitern wie Langzeitmessegestalter Andreas Wetzer allein ist es nicht getan. Aber auch nicht mit Konfrontation. Obwohl Thomas Zembachers Idee vom ÖWV nach einer neu definierten "Automesse" einige Fans gewinnen könnte, sind diejenigenlachende Dritte, die überhaupt raus wollen aus den Messekosten. Mit dem gleichen Problem kämpfen die Automechanika-Macher und auch die Autosalon- Giganten in Frankfurt oder Genf. Eurotax, Jahrzehnte Meinungsmacher für die Autowirtschaft, hat bereits den Neujahrsempfang abgesagt. Zu teuer!

Am Scheideweg Mit wachem Auge blicken die Erstausrüster auf die Entwicklung. Noch sind Stahlgruber, WM-Trost oder Derendinger dabei. Bosch spart und auch mancher Schmierstoffanbieter verkleinert sich oder -Stichwort Castrol - ist nicht mehr dabei. Einzig Birner, Österreichs Ass in der Liga der Komplettversorger von Kfz-Betrieben, oder Traditionalisten wie Kastner, Siems&Klein oder Würth und Berner halten bislang an Salzburg fest. Fällt eine dieser Säulen und kommt kein Mobilitätsanbieter neuer Denkkultur in die Hallen an die Salzach, steht auch die AutoZum am Scheideweg. (LUS)

WM-Trost-Österreich-Statthalter Marc Piniek hat den Kosten-Nutzen-Effekt auf der AutoZum im Blick, schätzt den Wert von Hausmessen und kann sich solche künftig auch in Österreich vorstellen

Mag. Ernst Kieslinger (Autobedarf Kastner, Innsbruck) sieht im Messeauftritt auf der AutoZum weiterhin beste Kundenzugangsmöglichkeiten








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