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Ausgabe
12
2017


"Ja, ich würde es wieder tun"

Diverses

Leo Thorn ist in der Kfz-Werkstatt aufgewachsen, hat dort seine Lebensziele verwirklicht und trotz aller Widrigkeiten in der Branche kann er sich kein anderes Berufsleben vorstellen.


Infiziert vom Kfz-Virus wurde er im Autohaus Nagl, wo der Vater des heutigen Bundesinnungsmeisters Fritz Nagl die Fahrzeuge für das Stift Klosterneuburg repariert hat. Selbst Esso-Tankstellenbetreiber, wurde er im zweiten Bildungsweg Mechaniker und speziell die Marke Ford wuchs ihm ans Herz. Mit einem damals "guten Draht" zu Ford Hinteregger, heute längst Geschichte, begann er Leasing- Rückläufer aufzubereiten und anGastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei zu verkaufen. "Ein gutes Geschäft", erinnert er sich heute: "Denn die meist vor Ferienbeginn -Stichwort Gastarbeiterroute -gekauften Gebrauchtwagen wurden in Österreich repariert." Die Ostöffnung war noch lange nicht in Sicht und ein Skoda 1000MB zum Eintausch eine Zumutung.

Thorns Tankstelle wanderte alsbald zu Tauchners Simca-ChryslerWerkstatt, eine Autotandlerlegende in der Babenberger-Stadt am Nordrand Wiens. Da gab es auch noch den Melzer mit seinen Wohnwagen und den Peugeot Biegler oder den rührigen Innungsmeister Schöppe. "Dunkle Momente" bescherte Thorn&Co "Diamanten Heinzi", der Fahrzeuge mit Brillanten und gefälschten Gutachten bei den Banken "besicherte" und mit einem veruntreuten Camaro plus Wohnwagen von Melzer später in Tunesien von Interpol aufgegriffen werden konnte.

Über Abrissgründe, wo man kurzzeitig günstig Autoplätze errichten konnte, kam Thorn über Wiens Bezirke Donaustadt und Landstraße nach Favoriten, wo er einen Reitstall fand und in der Folge dann 35 Jahre Ford reparierte und verwertete. Zu Beginn noch angefeindet vom Platzhirsch Manhardt, der ihn wegen "vergessener" Autopreisauszeichnung und nicht eingehaltener Ladenschlusszeiten mit Anzeigen eingedeckt hatte, war Thorn quasi dennoch seiner Zeit voraus mit den heutigen freien offenen Verkaufsflächen-Regelungen.

Es war aber auch eine Zeit, in der er per Handschlag von einstigen Marktgrößen wie Kernstock, Hummel oder Gomboc Versicherungsautos im Paket kaufen konnte. Mit Walter Benda oder Herbert Vohryzkas Ford-Betrieb in der Triester Straße, dessen Sohn heute bei Opel Beyschlag unter der Flagge der Augsburger AVAG-Gruppe den Ton angibt, machte er gute Geschäfte. Durch Gebrauchtteile wurde manche Zeitwertreparatur möglich. Thorn war also auch Vorläufer der Wiederverwertung im Materialkreislauf.

Thorn schuf sich aber auch viele Feinde. Er legte sich mit den Versicherungen (Vorwurf der entfallenen Differenzbesteuerung), aber auch mit der Gewerbevertretung und dem damaligen Verkehrsamt mit ihren dominanten Beamten in der MA 46 an. Kfz-Kennzeichenhandel mit kleinen Nummern war damals ein Renner. "Die schönsten Autos vor der Rossauerkaserne gehörten den Anmeldereferenten", erinnert er sich und kleinere technische Ungereimtheiten wurden meist per "Kuvert" geregelt. Die Kultur der "Ungereimtheiten" sieht der streitbare Mann auch heute noch aufrecht, allerdings haben sich die Beträge 1 zu 1 von Schilling in Euro konvertiert. Die Ebene der Nehmer hat sich verschoben, erzählt der in Erfahrung ergraute nunmehrige Pensionist: Ostöffnung, Wrackbörse, Umweltauflagen, ausufernde Bürokratie verbunden mit der Optimierungsgier der mächtigen Autogruppierungen haben viele Kleinunternehmer bewogen, das Handtuch zu werfen.

"Bevorzugt wurden heimische Betriebe drangsaliert", sagt es Thorn ungeniert: "Die konnte man strafen und allenfalls auf ihren Besitz zurückgreifen, was heute bei ausländischen Geschäftemachern nicht ohne Weiteres möglich ist." Die Angst vor körperlichen Übergriffen ausländischer Gangs bewog Thorn letztendlich auszusteigen.

Die Profitspirale dreht sich weiter nach unten, das E-Auto betrachtet er am Ende der Entwicklung als große Blase, die vor allem die kleinen Leute, die sich mangels Leasing-oder Kreditgewährung und durch Umweltschmäh verteuerte Autos nicht mehr leisten können. Die Entwicklung im freien Autohandel bezeichnet Thorn als asozial, was massenhaft Arbeitsplätze kostet und teure Materialressourcen vergeudet.

Jede Zeit der maschinellen Fortbewegung trägt in seinen Augen ihre eigene Lüge. Zur Pferdezeit wurde deren Gebiss geschönt, wovon sich das Wort Rosstäuscher ableiten lässt - ein bis heute hängengebliebener negativer Wertebegriff für findige Autohändler. Zur Zeit der Selbstund Fremdzünder wurden Sägespäne ins Getriebe gefüllt oder es wurde einfach am Tachometer gedreht. Aktuell wird das Elektroauto den Nutzern seligmachend vorgeführt. Über vernetzte und selbstfahrende Mobilitätsangebote macht sich Thorn erst gar keine Gedanken, zu unwirklich erscheint ihm diese Debatte.

"Ich habe so vieles erlebt in meinem unternehmerischen Autoleben", resümiert Thorn "und ich würde wieder Autohändler sein und mich auch mit den neuen technischen Gegebenheiten zurechtfinden. Es braucht uns Typen, die alles im Gesamten gesehen im Griff haben." Thorn ist einer davon, der weiß wie es geht, wenn mit der hochgestochenen Autotechnik im dritten oder vierten Autobesitzerleben nichts mehr geht.


(LUS)





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