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Ausgabe
12
2017


Der Kampf um freie Daten

Diverses

Autofahrerclubs, Teilehändler, (freie) Werkstätten wie auch Flotten-und Leasingfirmen kämpfen national und auf EU-Ebene gegen das drohende Datenmonopol der Fahrzeughersteller.


Die Branche ist hochgradig nervös, manche sprechen von der entscheidenden Frage fürs Überleben der freien Dienstleister. Egal ob Kongress des Gesamtverbandes Autoteile-Handel (GVA) und Automobilwoche-Kongress in Deutschland oder Verbandstag des Verbandes freier Kfz-Teilehändler (VFT): Der Datenzugang ist das wichtigste, fasteinzige Thema. Von heftigen Lobbyingtätigkeiten in Brüssel und Wien gar nicht zu reden. Österreichischer Höhepunkt war bislang eine Pressekonferenz zu diesem Thema, einberufen von der Berufsgruppe Kfz-Teilefachhandel, die im Wiener Landesgremium des Fahrzeughandels angesiedelt ist und genau dortfür Missstimmung gesorgt hatte. Nach einer Änderung des Einladungstitels von "Ist Autokauf künftig nur noch ein Recht auf Nutzung des Fahrzeuges?" auf "Nachteile für Autobesitzer durch drohenden Dateninfarkt" konnte die Pressekonferenz durchgeführt werden. Doch worum gehen bei diesem komplexenThema die Emotionen hoch?

Freier Zugangüber OBD-Schnittstelle Aktuell können alle freien Dienstleister, also Werkstätten, Teilehändler, Pannendienste, Diagnosegerätehersteller, Versicherungen oder Leasingfirmen über die OBD-Schnittstelle direkt bzw. über spezielle Dongles auf die Daten zugreifen und damit ihre Leistungen anbieten.Schon jetzt senden die Autohersteller allerdings die Fahrzeugdaten über Luftschnittstellen, konkret mit SIM-Karten über das Mobilfunknetz, an ihre eigenen Server. Mit der verpflichtenden Einführung des Notrufs eCall hat bald jedes Neufahrzeug eine SIM-Karte verbaut und kann (und wird) die Datenonline senden. Die OBD-Schnittstelle könnte dann seitens der Hersteller eingeschränkt werden oder -je nach gesetzlicher Regelung -komplett verschwinden. Und genau diese gesetzliche Regelung hat nun die obersten EU-Entscheidungsgremien erreicht. Denn in der ersten Variante der Typgenehmigungsrahmenrichtlinie wurde der OBD-Stecker "vergessen". Das EU-Parlament hat nun einen Abänderungsantrag eingebracht, wo sowohl die OBD-Schnittstelle wie auch der freie Datenzugang für Drittanbieter berücksichtigt sind. Wie immer, wenn sich die Institutionen nicht einig sind, kommt der Trilog zwischen EU-Parlament, -Rat und -Kommission zum Einsatz. Die Entscheidung soll bis Ende des Jahres erfolgen. "Der freie Zugang zu den Fahrzeugdaten muss erhalten bleiben und Teil der neuen Typgenehmigungsrahmenverordnung werden", artikuliert Ing. Wolfgang Dytrich, Berufsgruppenobmann des freien Kfz-Teilefachhandels und VFT-Obmann-Stellvertreter daher die Forderungen.

Österreichs Position unklar "Wir können allerdings nicht abschätzen, ob Österreich für die Abänderung stimmen wird oder sich der Stimme enthält", berichtet Mag. Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC, der sowohl ans Verkehrsministerium wie auch an die EU-Abgeordneten Stellungnahmen gesendet hat. "DerKunde muss sich frei entscheiden können", fordert Wiesinger. Mag. Walter Birner, großer Teilehändler und Obmann-Stellvertreter des VFT, ergänzt: "Der freie Datenzugang muss auch das Ziel des Autofahrers sein, damit er in Zukunft die Werkstattleistungen frei wählen kann." Sollte der freie Datenzugang wirklich verhindert werden, wird es nicht nur für den Konsumenten teurer: Für alle Drittanbieter wird es schwer bis unmöglich, ihre Dienstleistungen aufrecht zu erhalten. Damit ist die Existenz von freien Werkstätten sowie dem freien Teilehandel gefährdet. "Auch Markenwerkstätten brauchen Zugang zu Daten der Fremdmarken", weiß Ing. Georg Ringseis, Wiener Landesinnungsmeister Fahrzeugtechnik und Sprecher der freien Werkstätten.

Zwei Datendienstleister gegründet Zwei Lösungen, die zukünftig als Datenmarktplatz in diesem Spannungsfeld agieren möchten, sind auf den Österreicher Mag. Walter Birner zurückzuführen. Caruso wurde zuerst als Teil und nun als Tochter von Datenspezialisten TecAlliance gegründet und hat die Unterstützung der namhaften Teilehersteller. Nachdem Caruso (zumindest in der Anfangsphase) doch auf die Daten der Autohersteller zurückgreift, hat sich Birner von dem Projekt distanziert und mit einigen Partnern Carmunication ins Leben gerufen. Während sich Carmunication noch in der Aufbauphase befindet, ist Caruso unter großer Aufmerksamkeit der Industrie mittlerweile offiziell gestartet.

"Der freie Zugang zu den Fahrzeugdaten muss erhalten bleiben und Teil der neuen Typgenehmigungsrahmenverordnung werden."

Ing. Wolfgang Dytrich, Berufsgruppenobman Kfz-Teilefachhandel

"Auch Markenwerkstätten brauchen Zugang zu Daten der Fremdmarken".

Ing. Georg Ringseis, Wiener Landesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik

Gerald Weiss

Datenmonopol

Bei der Diskussionüber den zukünftigen Zugang zu den Fahrzeugdaten gibt es gehörige Differenzen in der Branche. Während der freie Teilehandel und die freien Werkstätten von einer existenzbedrohenden Gefahr sprechen, sind Markenwerkstätten und Fahrzeughandel neutral oder eher auf der Seite der Hersteller. Sie fürchten um die Kundenbindung durch die Marke und übersehen, dass die Datenexklusivität ihre Abhängigkeit vom Hersteller nicht nur erhöht, sondern quasi besiegelt. So würde bei einer Vertragskündigung sofort der Zugang zu den Daten und damit zu den Kunden gekappt. Bei mangelnder Kundenzufriedenheit oder fehlender Umsetzung von Standards kann das Auto zum Nachbarhändler geroutet werden. Nimmt man an Werkstattaktionen nicht teil, kriegt man ebenfalls weder Kunden noch Daten. Eine weitere Stärkung der Hersteller ist mit Sicherheit kein Vorteil für den Händler. Und Monopole waren noch niehilfreich.








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