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Ausgabe
11
2017


Der Lack-Papst

Diverses

Wenn es irgendwo um heikle Lackfragen geht, ist Norbert Hermann vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) die erste Anlaufstelle. Das gilt nicht nur für Werkstätten, sondern auch für die Autoproduzenten und die Lackindustrie.


Denn sie sind bei der Einführung neuer Produkte auf Hermanns Expertisen angewiesen. Die von seinem Team ermittelten Daten fließen letztlich in die Reparaturkalkulationen von Eurotax, DAT und Audatex ein - und beeinflussen so die Abrechnung von Millionen von Blechschäden. Bei den Münchner Unfallforschern geht es nicht nurum Präventionsmaßnahmen zur Minderung der Unfallfolgen. Es geht mittels Entwicklungen in der Fügetechnik, Werkzeugtechnik und Verfahrenstechnik auch darum, die Reparaturkosten zu senken. Und dabei spielt am Ende einer Reparatur die erforderliche Lackierung eine wesentliche Rolle.

"Wir arbeiten da gemeinsam mit dem ZKF (Zentralverband Karosserie und Fahrzeugtechnik), dem ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe), der BFL (Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer) und diversen Reparaturverbänden eng zusammen", schafft für Hermann diese über den Lackierbereich hinausgehende Kooperation die Basis seiner Zeitstudien und Datenermittlungen. "Da wiegen und messen wir draußen und nicht im Laborbetrieb", ist er stolz auf die extrem hohe Akzeptanz der praxisorientierten Forschungsergebnisse, die letztlich in die allgemein anerkannte AZT-Lackierkalkulation einfließen.

300.000 Farbmöglichkeiten

"Bei uns sind heute 300.000 Farbmöglichkeiten hinterlegt", zeigt die Allianz-Datenbank, wie sich die Farbenlehre seit Goethe weiterentwickelt hat. "Das ergibt sich schon durch die verschiedenen Effekte bei den Lackkompositionen", verweist Hermann in diesem Zusammenhang etwa auf die weit verbreitete Perlmuttlackierung. Die Phantasie der Lacktechniker kennt da kaum Grenzen. Immer öfter bringen die Autobauer neue Modelle mit Sonderlackierungen auf den Markt, um den damit verbundenen Hingucker-Effekt zu verstärken. Landet so ein Wagen später in der Werkstatt, ist das Knowhow der Lackierer gefordert.

Komplexe Farbtöne

Als Paradebeispiel prangt in Hermanns Labor ein wunderbar lackierter roter Alfa Romeo Kotflügel, und zwar in Rosso Competizione. Im Internet findet man dazu auch gleich eine Anfrage: "Hallo, ich suche den Farbcode für Rosso Competizione, und vielleicht kann einer auch sagen, wie der Lack aufgebaut wird. Silber als 1 Schicht?" Die Antwort von Heiko Köster, Leiter Technischer Service beiStandox Deutschland, lehrt ihn eines Besseren. Denn die Reparatur von Rosso Competizione ist ein Fall für echte Profis: "Das Knifflige daran ist die Farbtonbestimmung", erklärt er. "Denn der Farbton und der besondere Tiefeneffekt hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab: vom Untergrundfarbton, von der farbgebenden Basislackschicht und von der Schichtdicke der zweiten Basislackschicht und der Schichtdicke des eingefärbten Klarlacks, der dem Farbton Tiefe und damit zusätzliche Brillanz und Intensität verleiht."

Rosso Complicazione

"Wir nennen ihn einfach Rosso Complicazione", bringt Hermann diese Lacktechnik auf einen kurzen Nenner. Die für diesen Lackton erforderlichen fünf verschiedenen Lackschichten schlagen sich natürlich auch in der Kalkulation nieder. "Auf den ersten Blick sieht der Lackierer gar nicht, was auf ihn zukommt", warnt er vor voreiligen Kostenschätzungen. Im Internet liefert Köster eine für Laien plausible Erklärung des Reparaturaufwandes: "Farbmusterbleche zur Bestimmung des Farbtons anzufertigen, das ist der wichtige erste Schritt bei der Reparatur."

Schichtdicken sind entscheidend

"Die Schichtdicken der Basislacklasur und des eingefärbten Klarlacks sind die Hauptfaktoren für Farbe und Anmutung der Lackierung am Ende; deshalb müssen sie bei der Anfertigung der Musterbleche variiert werden", so Köster. "So entstehen verschiedene Mustervarianten für den Vergleich mit dem Ausgangston am zu reparierenden Fahrzeug." Er empfiehlt weiters, die Musterbleche penibel zu beschriften -mit Informationen zur verwendeten Pistole, zu den Einstellungen, zur Anzahl der Spritzgänge.

Köster: "Bis zur Bestimmung des richtigen Farbtons können mehrere Musterbleche nötig sein. Nur wenn alle Bedingungen stimmen, kann man den richtigen Ton am Ende treffsicher nachstellen." Ist der Farbton einmal bestimmt, gilt bei der Lackierung: extrem sorgfältig arbeiten! "Die Reparatur muss vonder ersten Schicht an perfekt sein", so Köster: "Schon ein minimaler Staubeinschluss in der ersten Basislackschicht oder ganz leichte Wolken bleiben bis zum Schluss sichtbar."

Kaskoersteinstufung und Nachprüfung

Kein Wunder, dass sich Kfz-Versicherer von solchen Lackierungen nicht sonderlich begeistert zeigen. "Wir machen in solchen Fällen eine Kaskoersteinstufung", kann Hermann durch die enge Zusammenarbeit mit den Lackherstellern den Lackreparaturaufwand bei neuen Modellen vom Start weg recht gut einschätzen. "Nach einem Jahr gibt"s dann eine Nachprüfung", die zu einer Prämien-Nachjustierung führen kann.

Beim Rosso Complicazione ist diese Phase längst vorbei. Und Köster hat für diese Sonderlackierung auch einige Tipps zur Hand: "Die Applikation der Lasur in fünfmal 0,5 Spritzgängen ergibt ein gleichmäßigeres und einheitlicheres Erscheinungsbild als die Lackierung in 2,5 Spritzgängen. Bei der zweiten Basislackschicht sollte besondersdarauf geachtet werden, nicht zu viel Material aufzutragen. Sonst bildet die rote Farbe an den Kanten dunkle Ränder."

Wer es noch genauer wissen will, kann eine ausführliche Reparaturanleitung für Rosso Competizione metallic und weitere exklusive Sonderfarbtöne bei Standox in der Standothek "Sonderlackierungen" herunterladen (www.standox.de/service). Eine Bibliothek, die recht deutlich zeigt, dass Hermann auch künftig nicht an Unterbeschäftigung leiden wird.








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