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Ausgabe
06
2017


"Exotisch" im Autohaus: Wo bleiben die Frauen?

Management

Seit Jahren bemühen sich Wirtschaft und Politik, junge Frauen für technische Berufe zu begeistern. Tragen diese Anstrengungen bereits Früchte oder zählen Mädchen in Kfz-Berufen immer noch zu "Exoten"?


Top-Leistungen, wenig Interesse

"Wir werden heuer ein Mädchen als Kfz-Lehrling in unserem Betrieb einstellen", sagt Ing. Gottfried Koch, Landesinnungsmeister der Vorarlberger Kfz-Technik und Geschäftsführer Autohaus Koch/Feldkirch. Insgesamt sei das Interesse seitens Mädchen und junger Frauen in den vergangenen Jahren aber nicht wirklich gestiegen."Was im vorpubertären Alter viele begeistert, ändert sich ab 15,16 Jahren oft. Jeden Abend mit schwarzen Händen nach Hause zu kommen, stört natürlich viele junge Frauen noch mehr als junge Männer." Gleichzeitig lobt Koch den Fleiß weiblicher Lehrlinge: "Bei den Landeslehrlingswettbewerben zeigen sich immer wieder das Geschick und die Top-Leistungen, die von jungen Frauen erbracht werden."

Mehr Interesse für Verkauf

"Mädchen haben sich im Bereich der Kfz-Technik bis dato nur ganz selten bei uns gemeldet", berichtet Sabine Hödl-Wenger, Geschäftsleitung Auto Wenger/Kuchl und Salzburg. "Möglicherweise schreckt viele auch die zuweilen anstrengende körperliche Tätigkeit ab, auch das damit verbundene Hantieren mit Flüssigkeiten wie Ölen oder Schmierfetten ist nicht jeder Frau Sache. Mechanikerhände erkennt man oft, weil sich das Öl wirklich schwierig entfernen lässt", so Wenger. Im Verkauf ortet Hödl-Wenger deutlich mehr Interesse. "An unserem Standort in Salzburg ist bereits ein Mädchen für uns tätig und es gibt auch mehr technisch interessierte junge Frauen, die eine Karriere im Automobilverkauf anstreben."

Schlechte Rahmenbedingungen

"Wir haben auch immer wieder Frauen, die unsere Lehrgänge absolvieren", so Mag. Diane Freiberger, MBA, Leiterin der Lehrgänge Automobilverkauf, Automotive Management und Executive MBA Fokus Automotive an der FH Kufstein. "Ich freue mich auch über jede Frau, die ihre Ausbildung bei uns durchläuft, wobei uns mehr weibliche Studenten natürlich nochlieber wären." Freiberger ist aber überzeugt, dass Frauen im Verkauf sehr erfolgreich sein könnten. "Was sie aber oft hemmt, ist, dass sie wissen, dass gerade der Automobilverkauf kein Nine-to-Five-Job ist und die Rahmenbedingungen, etwa für die Kinderbetreuung, nicht stimmen und sie sich deshalb oft für andere Verkaufs-(teilzeit-)Jobs entscheiden.

Zu wenig beworben

"Unserer Erfahrung nach haben sich in den vergangenen Jahren nur sehr wenige Mädchen für eine Ausbildung in der Kfz-Technik interessiert", schildert Erich Saloschnik, Geschäftsführer Autohaus Saloschnik/Wolfsberg. Mädchen würden sich am ehesten für klassische Bürojobs interessieren. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich zuweilen eher junge Frauen zwischen 19 und20 Jahren für eine Lehrstelle bewerben, wobei wir versuchen, hauptsächlich gleichaltrige Lehrlinge zu beschäftigen. Auch an den Schnuppertagen kommen praktisch nie interessierte Mädchen." Letztendlich fehle auch der Anreiz: "Die höheren Schulen werden aber deutlich mehr beworben als Lehrberufe."

Interesse hält sich in Grenzen

"Das Interesse seitens junger Mädchen, einen Kfz-Technik-Beruf zu erlernen, hält sich in Grenzen, allerdings auch im Autoverkauf", sagt Gerhard Priewasser, Geschäftsführer Autohaus Priewasser/Ried im Innkreis. "Wenn sich Mädchen dafür entschließen, sind sie aber oft sehr gut, wie wir auch im eigenen Kfz-Betrieb feststellenkonnten. Unsere Auszubildende hat sogar einen Landeslehrlingswettbewerb im Bereich Kfz-Technik gewonnen." Andererseits habe Priewasser auch im Bereich Karosserietechnik ein Mädchen ausgebildet, das zwar den Lehrabschluss gemacht, sich aber später für einen anderen Beruf entschieden hat. "SaubereFingernägel sind jungen Damen mit 20 Jahren dann oft wichtiger als ein Techniker-Job."

Barriere bereits im Elternhaus

"Wir haben festgestellt, dass das Interesse bei Berufstagen, die wir in diversen burgenländischen Bezirken veranstalten, auch seitens der Mädchen sehr hoch ist, sich am Ende leider aber doch sehr wenige anmelden", weiß Komm.-Rat Josef Wiener, Landesinnungsmeister der burgenländischen Fahrzeugtechnik und Geschäftsführer Auto Wiener/Eltendorf. "Letztendlich entscheiden sich im Burgenland nur 3 bis 4 Mädchen pro Jahr für eine Kfz-Techniker-Lehre." Leider gebe es auch große Barrieren, die oft im Elternhaus zu finden seien: Wenn Mädchen zu Hause den Wunsch äußerten, Mechaniker werden zu wollen, werde ihnen dieser Berufswunsch oft von den Eltern ausgeredet und sie von diesen in "klassische" Frauenberufe gedrängt.

Auflagen als Hemmschuh

"Wir sehen einen leichten Anstieg, was das Interesse bei Mädchen für den Kfz-Techniker-Beruf betrifft. Ich würde sagen, es ist schleppend, aber zunehmend", sagt Komm.-Rat Friedrich Nagl, Bundesinnungsmeister der Kfz-Technik. "Wenn ein Mädchen diesen Weg geht, ist es meist so motiviert, dass sie sich echt ins Zeug legt. Meist schaffen sie auch ziemlichlocker die Meisterprüfung." Was Frauen nach wie vor abschrecke, sei die teilweise nach wie vor schwere körperliche Arbeit. Gleichzeitig gebe es auch für die Betriebe schwierige Rahmenbedingungen , sagt Nagl. "Auflagen wie die Schaffung getrennter Umkleideräume, eigener Toiletten und Duschräumeschrecken kleine Betriebe ab."

Positive Erfahrungen

"Leider merken wir nicht, dass sich Frauen für Berufe in der Autobranche -sei es im Verkauf oder auch in der Kfz-Technik - mehr interessieren als in der Vergangenheit", berichtet Komm.-Rat Ing. Klaus Edelsbrunner, Bundesgremialobmann des Fahrzeughandels und Geschäftsführer Autohaus Edelsbrunner/Graz. "Wir haben in unserem Betrieb sowohl Mädchen in der Kfz-Technik ausgebildet als auch Damen im Verkauf als Mitarbeiterinnen eingestellt und sehr positive Erfahrungen gemacht", so Edelsbrunner. Es gebe leider noch Hemmschwellen gegenüber Berufen, die mit Technik verbunden seien, die Frauen davor abschreckten, beispielsweise als Autoverkäuferin zu arbeiten.

Oft fehlt der Zugang

"In unserer Ausbildungsstätte sind von derzeit 1.142 Kfz-Technikern nur 40 weiblich", erklärt OSR Markus Fuchs, Direktor der Siegfried Marcus Berufsschule für Fahrzeugtechnik in Wien-Floridsdorf. "Wobei sich an diesem Anteil in den vergangenen Jahren nicht viel verändert hat. Die Mädchen stammen fast immer aus größeren Betrieben, die weibliche Lehrlinge schon seit Jahren aufnehmen." Fuchs betont, dass rund 75 Prozent der Mädchen sehr gute Leistungen erbrächten. Der Zugang zur handwerklichen Thematik hänge auch stark von der Erziehung ab. Diese beginne oft schon im Kindergarten, wo der Zugang fehle. Dies wirke sich weiter aus und damit auch der Bezug: "Ist dieser vorhanden, entscheiden sich die Mädchen oft für diesen Beruf."








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