Das war die FLEET Convention

Das war die FLEET Convention

Die Wiener Hofburg während der FLEET Convention 2018

Mit über 600 Besuchern, knapp 50 Ausstellern, spannenden Vorträgen, heiß diskutierten Podiumsrunden und jeder Menge Möglichkeit zum Netzwerken war die FLEET Convention auch 2018 wieder der Treffpunkt der Fuhrparkmanager.



Zusammenfassung: Flotter Tag in der Hofburg

Das Fachevent, das vom Team von FLOTTE&Wirtschaft bereits zum 4. Mal organisiert wurde, rückte auch heuer wieder aktuelle und zukünftige Herausforderungen des Fuhrparkmanagements in den Fokus und bot in der einzigartigen Atmosphäre der Wiener Hofburg abermals eine perfekte Möglichkeit, sich in der Branche zu vernetzen und über Entwicklungen, Services, Fahrzeuge und Dienstleistungenzu informieren. Neben spannenden Marktplatzvorträgen (siehe Seite 21) kamen zahlreiche Top-Referenten auf der Hauptbühne zu Wort.

Dieselanteil in Flotten sinkt, SUV werden beliebter

So registrierte etwa Mag. Roland Strilka, Chef-Analyst der Eurotax, massive Veränderungen bei den Motorisierungen im Flotten-Segment: Laut seinen Daten lag der Anteil der Dieselfahrzeuge in diesem Bereich heuer nur noch bei 59,2 Prozent, während es im Vorjahr noch 72,1 Prozent waren. Hingegen gab es bei den Benzinern ein Wachstum von 22,6 auf 34,8 Prozent. Ein Teil dieser Veränderungen ist auf das stetige Wachsen des SUV-Anteils bei Flotten zurückzuführen, da hier immer mehr Kunden auf Benzinmotoren zurückgreifen, so Strilka. Grundsätzlich sieht der Experte aber gute Zeiten für den Flottenbereich, da das Wirtschaftswachstum weiterhin hoch sei. Anschließend gewährte Jürgen Freitag, Fuhrparkleiter Siemens AG&"Global Fleet Manager", einen Blick in das Flottenmanagement des Konzerns, der weltweit 377.000 Mitarbeiter beschäftigt und einen 50.000 Fahrzeuge starken Fuhrpark betreibt. Freitag ging dabei vor allem auf die zahlreichen monetären, kulturellen und digitalen Herausforderungen dieses globalen Managementprozesses ein und erklärte die dafür geschaffene "Matrix-Struktur", die eine langfristige und umfassendeKostenoptimierung erst möglich macht.

WLTP, TÜV, EUFMA & CO

Über die Auswirkungen des neuen Abgasmesszyklus WLTP auf Flottenbetreiber und Firmenwagenfahrer berichtete Andreas Kral, Country Manager Jato Dynamics Austria. Sein zentrales Fazit: "Nach den aktuellen Vergleichen ist bei allen Fahrzeugen, bei denen schon nach dem neuen Zyklus gemessen wurde, eineErhöhung der CO2-Emissionen zu verzeichnen." Da beim WLTP-Testverfahren die Sonderausstattung berücksichtigt werden müsse, sei der CO2-Wert und damit die NoVA bei jedem Fahrzeug künftig unterschiedlich hoch beziehungsweise niedrig. Im Rahmen eines "Stammtischgesprächs" diskutierten anschließend Ing. Mag. Christian Rötzer, Geschäftsführer TÜV Austria Automotive, und sein Mitarbeiter Ing. Marcus Fehringer, Projekt-und Innovationsmanagement Infrastruktur&Transport, bei einem weißen Spritzer über die Firmenflotte der Zukunft, die Vorteile von Elektro- und Erdgasautos und die Auswirkungen von höheren CO2-Werten auf Steuer und Sachbezug. Henning Heise, Axel Schäfer und Ralf Käser, die Vorstände der Österreichischen, Deutschen und Schweizer Fuhrparkverbände, gaben am Ende des Vormittags darüber hinaus Einblick in die Motive der Gründung des europäischen Fuhrparkverbands EUFMA und freuten sich über die bisher "unfassbar gute Resonanz" aus anderen Ländern.

Heiß diskutiert

Keynote-Speaker Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer spannte in seinem Vortrag auf der 4. FLEET Convention den Bogen von der "heilen Welt", die sich bisher aus den Zutaten "Diesel +Modellvielfalt +Full-Service-Leasing" zusammengesetzt hat, zum Status quo, der vom Nichterreichen der versprochenen Abgaswerte, der Luftverschmutzung in den Innenstädten rund um den Globus und "radikalen Innovationen" im Bereich der Elektro-und Roboterautos sowie der "Sharing Economy" geprägt ist. Im Anschluss an seinen Vortrag fand noch eine Podiumsdiskussion zum Thema "Die Antriebe der Zukunft" statt, an der neben Dudenhöffer auch Dipl. Ing. Heimo Aichmaier (Austrian Mobile Power), Prof. Dipl.-Ing. Dr. h. c. Jürgen Stockmar (TU Wien) sowie Dipl.-Ing. Peter Jurik (Referent CNG Fachverband Gas&Wärme) teilnahmen.


Weiter weg vom Diesel (Mag. Roland Strilka, Chefanalyst der Eurotax)

Weiter weg vom Diesel (Mag. Roland Strilka, Chefanalyst der Eurotax)

Auch im Flottenbereich lässt sich nun der Trend vom Dieselmotor zum Benziner ablesen. Mag. Roland Strilka, Chefanalyst der Eurotax, ortete in seinem Referat auch immer stärker werdende Anteile von SUV im Flottengeschäft.

Die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors lassen sich nun auch deutlich bei den Neuzulassungen im Flottenbereich ablesen: Mit seinem Referat sorgte Mag. Roland Strilka, Director Insight&Market Analysis bei der Eurotax, gleich zu Beginn der FLEET Convention für Aufmerksamkeit im Publikum. Laut seinen Berechnungen sei der Anteil der Dieselmotoren bei Flottenfahrzeugen in Österreich schon von 2016 auf 2017 von 76,0 auf 72,1 Prozent abgesunken. Noch viel deutlicher war dieser Trend in den ersten vier Monaten 2018 bemerkbar: Nur 59,2 Prozent der Neuzulassungen im Flottenbereich hatten einen Dieselmotor, während der Anteil der Benziner seit dem Vorjahr von 22,6 auf 34,8 Prozent stieg. Ob dies ein Startschuss für einen Paradigmenwechsel sei? "Ja, eventuell", so Strilka. 

Trend zu den SUV auch im Flottenbereich

Grundsätzlich ist Strilka optimistisch, was den Flottenmarkt betrifft: Die Konjunktur in der Wirtschaft zeige weiter nach oben, daher gebe es auch positive Aussichten für ein Wachstum bei den Neuzulassungen in diesem Segment. Allerdings werde sich das Plus aufgrund der starken Anstiege in den vergangenen Jahren etwas verlangsamen. Dies gelte vor allem für den Pkw-Markt, während es bei den leichten Nutzfahrzeugen weiterhin ein stärkeres Wachstum geben werde, so Strilka. In den ersten vier Monaten dieses Jahres betrug das Plus an Neuzulassungen im Flottenbereich bei Pkw 2,8 Prozent, bei den leichten Nutzfahrzeugen waren es sogar 17,2 Prozent. Interessant ist auch, dass sich der Trend zum SUV seit zwei Jahren auch bei den Flotten bemerkbar macht: Entfielen im Jahr 2016 erst 12,8 Prozent der Neuzulassungen auf kleine und mittlere SUV, so waren es 2017 bereits 14,6 Prozent. Heuer stieg dieser Anteil in den ersten vier Monaten auf rund 20 Prozent an. Verlierer bei den Segmenten waren neben den Minivans auch die Mittelklasse und die untere Mittelklasse. Top-5-Marken bei den Neuzulassungen im Flottenbereich bei Pkw waren im Vorjahrübrigens VW, BMW, Skoda, Mercedes und Audi. Bei den leichten Nutzfahrzeugen lautet diese Rangliste VW, Ford, Fiat, Mercedes und Renault. Die meist zugelassenen Flottenfahrzeuge in Österreich waren im Vorjahr der VW Golf, Skoda Octavia, VW Passat, VW Sharan und VW Tiguan.

Was passiert durch WLTP?

Strilka glaubtübrigens, dass sich mit der Einführung des neuen Abgas-Messzyklus WLTP zwar das Angebot an Fahrzeugen, die für umweltbewusste Firmen infrage kommen, verringern wird. "Doch es bieten sich auch möglicherweise gute Chancen für Fuhrparkmanager, vielleicht günstig ein paar Fahrzeuge zu bekommen."


"Jede Veränderung evaluieren" (Jürgen Freitag, Fuhrparkleiter der Siemens AG)

"Jede Veränderung evaluieren" (Jürgen Freitag, Fuhrparkleiter der Siemens AG)

Seit vier Jahren steht Jürgen Freitag an der Spitze des Fuhrparkmanagements der Siemens AG und verwaltet über 50.000 Fahrzeuge. In seinem Vortrag offenbarte er spannende Details aus der Praxis und erklärte, worauf es bei einem so großen Fuhrpark ankommt.

Mit einem Umsatz von 83 Milliarden Euro pro Jahr, etwa 377.000 angestellte Mitarbeiter und 50.000 Fahrzeuge im Fuhrpark: Siemens ist ein Weltkonzern, in dem jeder siebte Mitarbeiter einen Firmenwagen fährt. Jürgen Freitag, Fuhrparkleiter der Siemens AG und Global Fleet Manager, verwaltet die gigantische Flotte und gab in seinem Vortrag auf der 4. FLEET Convention spannende Details preis, wobei er den Bogen vom großen Ganzen zu Details wie der Finanzierung und einem stringenten Regelwerk spannte. Klar ist, wie Freitag betont, dass "eine solche Flotte nur strategisch und mit taktischem Vorgehen zu managen" ist, wobei "jede Veränderung im Managementprozess laufend evaluiert" werden muss, weil "angesichts der hohen Fahrzeuganzahl ansonsten schnell enorme Mehrkosten" entstehen können.

Globale Experten-Matrix

Die Verwaltung funktioniere außerdem nur über "eine globale Experten-Matrix", wobei einzelne Personen jeweils den Blick auf einen einzelnen Aspekt wie etwa die Rabatte richten. Über all dem stehe aber vor allem das "interne Datenmanagement im absoluten Fokus". Datentransparenz sei laut Freitag nämlich "der Schlüsselfaktor,um die Kontrolle und den Überblick zu behalten". Dazu brauche es ein strikt festgelegtes Reporting-Konstrukt, auch weil gewissen fuhrparkrelevanten Daten wie etwa dem CO2-Ausstoß in den Ländern unterschiedliche Stellenwerte zukommen. Daher müsse "eindeutig geregelt" sein, "welche Werte in globaler Perspektive welchen Wert haben". Für einen Konzern wie Siemens stünden laut Freitag nämlich primär die weltweiten Fuhrparkgesamtkosten im Mittelpunkt.

Standardisierte Strategie

Um diese möglichst gering zu halten, müsse "die Administration der Flotte standardisiert" sein, wobei man aufgrund der kulturellen Vielfalt im Konzern -Siemens ist in über 200 Ländern und Regionen tätig -die Vorgehensweise international verständlich gestalten und kommunizieren muss. Freitag: "Die Flottenstrategie muss von allen Länderverantwortlichen verstanden und umgesetzt werden und zwar in Indien wie in Großbritannien oder Deutschland." Gleichsam strich Freitag heraus, wie wichtig es sei, dass "jeder Fuhrparkmanager seine Ideen und seinen kulturellen Background in die fachliche Diskussion einbringen" könne und dass die "Vorschläge ernst genommen werden". In puncto Zusammenarbeit mit externen Fuhrparkmanagern und Finanzdienstleistern gab Freitag aber einen Tipp mit auf den Weg, von dem auch kleinere Flotten profitieren können. Laut dem Global Fleet Manager sei es bei der Auswahl desPartners besonders wichtig, nur auf jene Firmen zu setzen, die noch "einige weitere Kunden betreuen", denn nur so könne man "erfahren, wie gut die eigene Flottenverwaltung wirklich aufgebaut" und ob man "im Management tatsächlich State of the Art" ist.
 


Höherer Sachbezug (Andreas Kral, Country Manager JATO Austria)

Höherer Sachbezug (Andreas Kral, Country Manager JATO Austria)

Andreas Kral von Jato analysierte die Veränderungen bei CO2 und NoVA, die durch WLTP wirksam werden. Für die Flottenbetreiber wird das Auswirkungen auf die Fahrzeugauswahl haben.

Das brennende Thema WLTP war bereits in FLOTTE&Wirtschaft 2-3/2018 ein großes Sonderthema. Andreas Kral, Country Manager von Jato Dynamics, analysierte nun für die Besucher der FLEET Convention die Veränderungen und Auswirkungen des neuen Abgasmesszyklus auf CO2-Emissionen und damit auf den Sachbezug und auf die NoVA. Schon die bisherigen Zahlen sprechen eine klare Sprache, dabei ist die Umstellung bei vielen Herstellern beziehungsweise Modellen noch gar nicht erfolgt. Nach den aktuellen Vergleichen ist bei allen Fahrzeugen, bei denen schon nach dem neuen Zyklus gemessen wurde, eine Erhöhung der CO2-Emissionen zu verzeichnen", so Kral in seinem Vortrag. Nach denderzeit verfügbaren Zahlen liegt diese Steigerung zwischen einem und 38 Prozent. "Eine Verringerung sei bei keinem Fahrzeug festgestellt worden", sagt Kral. Die Auswirkungen auf den Flottenbereich sind daher evident. Zahlreiche Fahrzeuge unterschreiten die für den Sachbezug relevante Grenze von 124 Gramm CO2/km nicht mehr und werden daher mit dem höheren Sachbezug von zwei statt bislang 1,5 Prozent angesetzt.

Was kostet das Fahrzeug?

"Da beim WLTP-Testverfahren jede Sonderausstattung berücksichtigt werden muss, ist der CO2-Wert und damit die NoVA bei jedem Fahrzeug unterschiedlich." Teilweise können NoVA und CO2-Emmission beim Abschluss des Kaufvertrages nicht genau angegeben werden, da diese Ausstattungskonstellation noch nicht überprüft und gemessen wurde. "Der Händler wirdbei Vertragsunterzeichnung nicht sagen können, was das Fahrzeug kostet. Ich kann mir vorstellen, dass es zukünftig gar keine Preislisten mehr gibt, sondern die Preise je nach Ausstattung online abgefragt werden müssen", schätzt Kral.

NoVA bis zu vier Prozentpunkten höher

Der von Jato erstellte Überblick hinsichtlich der NoVA bringt ebenfalls eine klare Tendenz: "Die durchschnittliche Erhöhung der NOVA pro Marke und zwar aller nach WLTP rehomologierten Modelle liegt zwischen null und 4,1 Prozentpunkten. Obwohl es bei manchen Herstellern noch wenige rehomologierte Modelle gibt", so Kral.Manche Hersteller wie etwa BMW haben schon sehr früh mit der Umstellung begonnen, bei anderen Marken gibt es hingegen noch wenige bis keine WLPT-gemessenen Modelle.

Trotz der schwierigen Situation findet Kral lobende Worte für die Autoindustrie: "Ich bewundere jeden, der nach diesem Regelwerk Fahrzeuge baut."


Nötiger Wandel braucht Zeit (Ing. Mag. Christian Rötzer, Ing. Marcus Fehringer, TÜV Austria Automotive)

Nötiger Wandel braucht Zeit (Ing. Mag. Christian Rötzer, Ing. Marcus Fehringer, TÜV Austria Automotive)

Bei einem launigen "Stammtisch"-Gespräch diskutierten der Geschäftsführer des TÜV Austria Automotive, Ing. Mag. Christian Rötzer und sein Mitarbeiter Ing. Marcus Fehringer über den Fuhrpark der Zukunft.

Der Fuhrpark der Zukunft wird nicht nur den Fuhrparkmanager beschäftigen, da sind sich sowohl Ing. Mag. Christian Rötzer, Geschäftsführer TÜV Austria Automotive als auch Ing. Marcus Fehringer, Projekt- und Innovationsmanagement Infrastruktur&Transport, beim "Stammtisch"-Gespräch einig. Denn der Einsatz von E-Fahrzeugen erfordert unter anderem auch Investitionen in die Infrastruktur, damit ist Teamarbeit und vor allem eine saubere Planung unumgänglich. Doch von vorn.

"Süßwarenangebot"

WLTP ist die Abkürzung, die derzeit nicht nur den Herstellern den Schweiß auf die Stirn treibt, sondern auch die Fuhrparkmanager und Dienstwagennutzer beschäftigt. Beispielsweise heißt es aufseiten der Nutzer, wer in Zukunft ein Allradmodell fahren will, wird mehr Sachbezug zahlen. Das ist genauso ins Blech geschlagen, wie, dass es "die Fuhrparkmanager in den nächsten sechs, sieben Jahren mit einem hartnäckigeren" Gesetzgeber zu tun haben werden, besonders was die Antriebsform anbelangt, ist sich Rötzer sicher. Als Alternative bieten Bund und Länder dafür ein ganzes "Süßwarenangebot" an finanziellen Zuckerln wie die Sachbezugsbefreiung oder die Ersparnis bei den Lohnnebenkosten -es fehlt in diesem Punkt allerdings oft, da sind sich Rötzer und Fehringer einig, das Wissen über die Möglichkeiten. Ebenfalls einig sind sich die beiden, was die TCO (Total Cost of Ownership) betrifft. Denn während diese bei den Verbrennern steigt, sinkt sie bei E-Fahrzeugen. Doch spätestens mit dem Jahr 2020 wird die Fokussierung der "Elektro-Taliban auf der einen und der Verbrennerfraktion auf der anderen Seite" noch einmal durchgeschüttelt, glaubt Rötzer. Ab dann gilt der Grenzwert von 95 Gramm CO2, "jedes Gramm darüber bedeutet 95 Euro pro Auto des Herstellers pro Jahr in den Säckel des EU-Haushalts", erklärt Rötzer. Dass das ein finanzielles Problem wird, erklärt sich von selbst. Und dass damit die Auswahl an Verbrennern sinkt, dafür die Alternativen - auch Erdgas könnte wieder ein Thema werden -steigen, ebenfalls. Hybrid ist für Rötzer dabei die Brückentechnologie.

Förderung

Doch allein mit der Anschaffung von E-Fahrzeugen ist es nicht getan. Immerhin wollen die Akkus auch geladen werden. In der Firma, zu Hause und unterwegs. Von den unterschiedlichen Steckern, Kabeln und Ladestärken noch abgesehen, die es aber auch einzuplanen gilt, stellt sich für Firmen auch die Frage, ob zusätzlich eine PV-Anlage samt Batteriespeicher sinnvoll ist. Dafür gäbe es übrigens noch drei Millionen Euro im Fördertopf, bestätigt Fehringer.

Die Diskussion zeigt: Bei der Firmenflotte der Zukunft müssen Fuhrpark und Infrastruktur aufeinander abgestimmt sein. "Es ist ein Change-Prozess, der gegangen werden muss", betont Fehringer und "das braucht Zeit", ergänzt Rötzer.


Eine (fast) heile Welt (Prof. Ferdinand Dudenhöffer)

Eine (fast) heile Welt (Prof. Ferdinand Dudenhöffer)

Das Nachmittagsprogramm der 4. FLEET Convention wurde von der Frage nach "dem Antrieb der Zukunft" dominiert. Prof. Ferdinand Dudenhöffer eröffnete das Programm mit einem teilweise sehr provokativen Vortrag, in dem er ein Ende des Selbstzünders prophezeite und insbesondere Elon Musk Rosen streute.

Keynote-Speaker Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist weltweit einer der profiliertesten Automobilexperten und ein profunder Kenner der Branche. Dass er mit seinen Aussagen auch gerne mal provoziert, spürten die Besucher der 4. FLEET Convention schon beim ersten Satz seines Vortrags. Er startete mit dem Bill-Gates- Zitat "We need banking, but no banks" und stellte in diesem Sinne klar: "Wir brauchen Firmenmobilität, aber keine Fuhrparks." Denn genau in diese Richtung würden sich die Mobilitätsgewohnheiten derzeit hin entwickeln.

Von der Luftverschmutzung zu Roboterautos

Er spannte im Anschluss den Bogen von der "heilen Welt", die sich bisher aus den Zutaten "Diesel + Modellvielfalt +Full-Service-Leasing" zusammengesetzt habe, zum Status quo, der vom Nichterreichen der versprochenen Abgaswerte, der Luftverschmutzung in den Innenstädten rund um den Globus und "radikalen Innovationen" im Bereich der Elektro-und Roboterautos sowie der "Sharing Economy" geprägt ist. Dem Diesel prognostizierte Dudenhöffer in seinem Vortrag in globaler Perspektive eine düstere Zukunft. Schon heute spiele "der Selbstzünder in China oder den USA keine große Rolle mehr". Und auch "in Europa nimmt der Selbstzünderanteil kontinuierlich ab". Dudenhöffer ist sich sicher, dass "China weiterhin den Elektromotor forciert" und die Autohersteller deshalb gar keine andere Möglichkeit hätten, als "diesen Weg mitzugehen".

Hybrid und Co: bestenfalls eine Brückentechnolgie

Laut Dudenhöffer würden "Wasserstofffahrzeuge und Plug-in- Hybride" deshalb "maximal als Brückentechnologie taugen", weil sie "für die breite Masse zu teuer sind". Dem reinen E-Auto gehöre deshalb die Zukunft, das würden neben Tesla langsam auch "die etablieren Hersteller kapieren" und viel Geld in die Entwicklung eigener Stromer stecken. Die Rosen streute Dudenhöffer aber vor allem Elon Musk: Der US-Amerikaner habe mit Tesla den "Markt verändert" und als erster "die 500-Kilometer-Reichweitengrenze" geknackt. Laut dem Automobilexperten sei es deshalb nur "eine Frage der Zeit, bis Tesla in die Gewinnzone fährt", weil das "35.000 Dollar teure Model 3 derzeit für 28.000 Dollar produziert" werden würde.

Autonome Mitarbeiter?

Dudenhöffer wies außerdem daraufhin, dass Europa im Vergleich zu China oder den USA bei der Marktdurchdringung mit E-Autos noch massiv hinterherhinke und die "digitale Ökonomie" große Auswirkungen auf die Vertriebsstrukturen der Hersteller sowie das Mobilitätsverhalten der Menschen hat und haben werde. In puncto Fuhrparks fragte er das Publikum: "Wenn Sie an Punkt A einsteigen können und vollautomatisch zu Punkt B gebracht werden, wieso brauchen Sie dann noch ein Firmenauto, wieso sollte eine Firma einem Mitarbeiter dann noch einen Dienstwagen zur Verfügung stellen?" Handwerker, Servicearbeiter und Co seien davon freilich ausgenommen, relativierte Dudenhöffer auf Nachfrage von Moderator Christian Clerici am Ende des Vortrags aber seine markige Ansage dann doch noch etwas.
 


Sprit, Strom oder Gas? (Podiumsdiskussion)

Sprit, Strom oder Gas? (Podiumsdiskussion)

Was treibt die Flotten der Zukunft an? Wird eine Antriebsform die führende Rolle übernehmen oder wird es ein Neben-und Miteinander aller geben? - Viele Fragen, die vier Experten umfassend und gegensätzlich beantworteten und letztendlich doch recht versöhnlich argumentierten.

Das Podium war wie immer hochkarätig besetzt. Dipl.-Ing. FH Peter Jurik, Fachverband der Gas-und Wärmeversorgungsunternehmungen, Prof. Dipl.-Ing. Dr. h. c. Jürgen Stockmar, TU Wien, Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Center Automotive Research, und Dipl.-Ing. Heimo Aichmaier, Austrian Mobile Power, diskutierten heiß über die treibende Kraft von Morgen. Stockmar brach als erster eine Lanze für diese über 150 Jahre alte Erfindung:

Verbrenner nach wie vor ein Renner

"Der Verbrennungsmotor wird noch eine große Zukunft vor sich haben, vor allem im Lkw-Flottenbereich. Denn wenn Sie den Energieinhalt eines 200-Liter-Lkw-Tanks in eine Batterie umsetzen, wiegt diese über sechs Tonnen und kostet über 130.000 Euro -viel zu schwer und zu teuer! Ja, wir haben das große Problem CO2 und müssen dringend etwastun. Aber auf dem Weg vom 100-prozentigen Verbrennungsmotor zum 100-prozentigen Elektroantrieb gibt es viele Stufen und Brückentechnologien, Hybridfahrzeuge beispielsweise. Und ist der Verbrennungsmotor mit allen derzeit möglichen emissionsreduzierenden Maßnahmen ausgerüstet, lassen sich seineEmissionen stark reduzieren. Wenn sich allerdings die Industrien nach wie vor zum Beispiel weigern, einen beheizbaren SCR- Katalysator einzuführen, werden wir politisch und umwelttechnisch ein Problem haben."

Der Faktor Mensch verbindet

Aichmaier, per se begeisterter Anhänger und Vertreter der Elektromobilität, pflichtete Stockmar partiell bei: "Wir dürfen keinen Religionskrieg zwischen Antriebssystemen vom Zaun brechen, sondern wir müssen die Mindsets der Personen ändern, das Mobilitätsverhalten überdenken und Produkte auf den Markt bringen, die möglichstin Österreich und Resteuropa entwickelt sind, sonst hat das ganze keinen Sinn! Was uns alle verbindet, ist der Faktor Mensch: In jedem Fahrzeug sitzt jemand und fährt von A nach B, weil er entweder geschäftlich oder privat seinen Ort verändern will. Die E-Mobilität ist vielleicht nicht die Lösung für das komplette Mobilitätssystem, aber ein wesentlicher Beitrag für die Dekarbonisierung der Energiebereitstellung für Mobilität. Grundvoraussetzung dafür sind erneuerbar erzeugte Energien. Übrigens habe ich aufgrund des Vortrags von Professor Dudenhöffer (S. 18) ausgerechnet, dass jeder achtzehnte in drei Jahren seinen Fuhrpark auf Elektromobilität umgestellt haben muss, damit wir die 95 Gramm schaffen "

Infrastruktur schon vorhanden

Jurik gibt Gas, obwohl er um die Vorteile des Elektromotors Bescheid weiß: "Ein Elektromotor ist sicher die effizienteste Form, um Energie in Bewegung umzuwandeln. Man muss sich allerdings den gesamten Zyklus des Fahrzeugs überlegen, den Wirkungsgrad nicht bei der Batterie bis zum Motor ansetzen, sondern bei der Herstellung der Energie, des Stroms. Aktuell haben wir im Winter 50 Prozent Importstrom mit deutlich höherem fossilen Anteil, weil die erneuerbare Stromerzeugung im Winter nicht da oder geringer ist. Strom kann man nicht speichern, Gas hingegen schon. Unsere Gasspeicher können nicht nur 90 Terawattstunden speichern -der österreichische Stromverbrauchliegt noch ohne E-Mobilität bei etwa 70 bis 75 Terawattstunden -, sondern es gibt auch schon die Infrastruktur, die Tankstellen, die Leitungen. Man darf die Gasmobilität also nicht vergessen, wir sehen sie als Teil der Zukunft."

Neue Batterien kommen

Dudenhöffer hat seine Zweifel: "Zum Erdgas: Wir machen das seit 30 Jahren, es floppt seit 30 Jahren -warum sollte das in den nächsten zehn Jahren poppen, wo wir gerade beim Ausrollen der Elektromobilität sind? Sorry, ich glaube nicht an Gas. Und ja, wir brauchen einen Übergang zur E-Mobilität, aber denken Sie dran: Beim batterieelektrischen Auto stecken wir in der Stunde null, beim Verbrennungsmotor in der Stunde 140, da gab es schon viele Innovationen. Da Kobalt sehr teuer ist, bin ich mir sicher, dass Kollegen in meinem Umkreis Batterien entwickeln werden, deren Kobaltanteil geringer ist. DieBASF gibt Milliarden aus, um anderes Kathodenmaterial zu machen. Ich bin daher zuversichtlich, dass neue Batteriegenerationen schneller kommen, als wir uns das vorstellen können."

Die Schlussplädoyers

Durchaus konträre Ansichten von namhaften Fachleuten. Was also tun, damit sich unsere Welt substanziell emissionsfrei verändert? Die Experten ziehen relativ geeinte Resümees.

Stockmar: Meine Forderung ist: Wir brauchen völlig neue Batterietechnologien, von der Herstellung bis zum Recycling. Wir brauchen einen erheblich höheren Grad von erneuerbarer Energie und zwar nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Ansonsten wird uns die Dekarbonisierung, die dringend notwendig ist, um das Klima zu retten, nicht gelingen.

Jurik: In den letzten zehn Jahren hat sich so viel geändert, dass ich vorsichtig wäre mit Prognosen, was sich in den kommenden Jahren alles tut. Die Elektrifizierung wird zunehmen. Schwer zu sagen, ob eine neue Technologie kommt oder sich die Brennstoffzelle so entwickelt, dass sie marktreif ist. Ich bin gespannt. Gas wird jedenfalls wichtig sein, geben Sie also Gas bei der Flottenumstellung. Für die Rettung des Eisbären!

Aichmaier: Am besten hat man sowohl Erdgas-als auch Elektroautos im Fuhrpark und setzt sie optimal ein. Wir müssen es in unseren Köpfen ankommen lassen, um zu sagen: Okay, ich will einen sauberen Fuhrpark. Ich will zu den 95 Gramm vorausschauend beitragen und bestelle ein entsprechendes Fahrzeug, um der Gesellschaft zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Laut Professor Dudenhöffer brauchen wir von 180.000Fahrzeugen, die auf den Markt gebracht werden, nur 20.000 Elektrofahrzeuge, um unsere Ziele zu erreichen. Es liegt an den Fuhrparkverantwortlichen, diese auf die Straße zu bringen!

Dudenhöffer: Ich glaube, in China wird es sehr schnell gehen. 2030 wird es große Städte geben, in denen nur mehr elektrisch gefahren wird. Und in Europa? Schauen wir mal, kein Mensch weiß das.
 


"Stellung beziehen" (EUFMA)

"Stellung beziehen" (EUFMA)

Der österreichische, deutsche und schweizerische Fuhrparkverband haben gemeinsam die „European Fleet and Mobility Management Association“, kurz EUFMA, gegründet.

International endete das Vormittagsprogramm der 4. FLEET Convention: Henning Heise, Vorstand des Fuhrparkverbands Austria, Axel Schäfer, Geschäftsführer des deutschen Bundesverbands Fuhrparkmanagement, und Ralf Käser, Vorstandsmitglied des Schweizer Mobilitätsverbands, erläuterten die Gründungsmotive des europäischen Fuhrparkverbands EUFMA (European Fleet and Mobility Management Association) und freuten sich über die bisher „unfassbar gute Resonanz“ aus anderen Ländern. Der Tenor: Je mehr Verbände sich unter dem europäischen Dachverband versammeln, desto höher sei die Chance, politisch etwas bewegen zu können, denn man werde in Zukunft zu „politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und fiskalischen Themen auf europäischer Ebene Stellung beziehen“.

Großes Interesse

Die EUFMA wurde im Rahmen der Global-Fleet-Conference, die Ende Mai in Rom stattfand, gegründet. Zu den Zielen zählen etwa die Bündelung und Repräsentation der Interessen der nationalen Verbände, den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedsverbänden zu fördern und den Mitgliedsverbänden in den Ländern Know-how zu Fuhrpark- und Mobilitätsmanagementthemen bereitzustellen. Das Interesse sei groß, so berichtet Schäfer von fünf weiteren europäischen Verbänden, mit denen derzeit über eine Mitgliedschaft in der EUFMA gesprochen wird. Im November 2018 wird die EUFMA im Rahmen des „Fleet Europe Summit“ in Barcelona europaweit Verbände zu einem internationalen Meeting einladen, um die geplanten Aktivitäten vorzustellen und zu diskutieren. 


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