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Ausgabe
03
2017


Gehen uns die Lehrlinge aus?

Handel

"Hätten wir keine Handwerker mit Migrationshintergrund, könnten wir zusperren", bringt Markus Fuchs, Direktor der Siegfried-Marcus-Berufsschule für Kfz-Technik, die Situation des gesamten Gewerbes auf den Punkt.


In manchen Branchen gibt esüberhaupt keine Lehrlinge mehr. Manuelle, zeitlich intensive und anstrengende Arbeit ist beim heimischen Nachwuchs immer weniger gefragt. Auch die Kfz-Branche ist daher mit einem drastischen Sinken der Lehrlingszahlen konfrontiert. Eine Lücke, die zunehmend mit Migranten der zweiten Generation gefüllt wird.

Mehr Fahrzeuge, aber weniger Nachwuchs

"Vor 25 Jahren hatten wir 2.400 Lehrlinge. Jetzt maximal 1.300 und davon ein Drittel ohne Lehrvertrag." Das liegt in den Augen von Fuchs nur sekundär am rückläufigen Reparaturbedarf der Fahrzeuge. Denn zwischenzeitig hat sich der Fahrzeugbestand massiv erhöht. Einerseits sind die Anforderungen an die Lehrlinge in der Ausbildung stark gestiegen, anderseits drängen immer mehr Jugendliche aus Imagegründen in höhere Schulen. "Die sind fürdie Lehre vielfach schon fast verloren." Fuchs geht es darum, Lehre und Matura kombiniert anzubieten.

Hinzu kommt, dass das Qualitätsniveau der Schulabgänger nach der achten Schulstufe generell merklich gesunken ist. So gibt es viele, die nach Absolvierung der Schulpflicht keinen positiven Abgang vorweisen können. Voraussetzung für einen Lehrbeginn ist jedoch "Ausbildungsfähigkeit&Arbeitsfähigkeit". Nach einer Studie der Robert Bosch Stiftung sind 50 Prozent der Pflichtschulabsolventen nicht ausbildungsfähig.

Dafür gibt es eine Vielfalt von Gründen: Neben mangelnden schulischen Qualitäten fehlt es an der notwendigen schulischen Einstellung. Zusätzlich hemmen starke soziale Einflüsse die Ausbildungsfähigkeit und es gibt es auch zu wenige niedrig qualifizierte Berufe, in denen Schwächere doch noch denAusbildungserfordernissen entsprechen könnten. Das ist auch ein Problem der Kfz-Branche, in der die Ausbildungsanforderungen weiter im Steigen sind.

Unternehmen suchen natürlich die Besten

Verständlich, dass sich die Unternehmen unter diesen Umständen in erster Linie jenen Nachwuchs aussuchen, der ihnen brauchbar erscheint. Nur mehr wenige können sich für die Ausbildung eigene Lehrwerkstätten leisten. "Großbetriebe wie Porsche, Denzel, Beyschlag, Pappas oder Wiesenthal", das sind laut Fuchs jene Lehrplätze, um die sich nach wie vor alle Lehrlinge reißen.

Für eine Differenzierung zwischen Einheimischen und Migranten sieht er im Kfz-Gewerbe keinerlei Veranlassung. Das gilt nicht nur für die Schule, sondern auch für die Betriebe, in denen die Lehrlinge arbeiten. "Wir haben keine Scheu, ein Auto zu kaufen, von dem keine Schraube aus Österreich stammt", sagt er. Der Migrationshintergrund spiele nur bei Menschen eine Rolle: "Und das ist unfair." Immerhin haben laut der Erfahrung von Fuchs viele Autofahrer auch keine Scheu, ihre Autos im Ausland reparieren zu lassen.

Vom Volksschulniveau bis zum HTL-Abschluss

Für Fuchs ist die Eroberung der Kfz-Werkstätten durch Migranten ein ganz natürlicher Prozess. In der Vergangenheit haben diese die einfacheren Geschäftsbereiche wie Gemüsehandel, Friseur oder Gastronomie besetzt. "Bei den Werkstätten dauert es halt länger. Da habe ich höhere Ausbildungskriterien und höhere Kosten." Er zieht den Begriff "Vielfalt" dem Begriff "Migrationshintergrund" vor. Diese "Vielfalt" sieht er auch beim Image der Automarken - den Franzosen, Schweden, Italienern oder Asiaten. "Vielfalt ist positiv, Migration derzeit bereits negativ besetzt", verweist er auch auf die nationale Vielfalt in seinem Lehrkörper.

Die Schwierigkeiten liegen für ihn nicht in der Völkervielfalt, sondern in den unterschiedlichen Startbedingungen beim Ausbildungsbeginn. "Da gibt es in einer Klasse Schüler mit HTL-Abschluss und gleichzeitig welche mit Volksschulniveau. Das ist eine echte Herausforderung." Daher müssen seine Lehrer neben Fachkenntnissen auch über ausgeprägte pädagogische Fähigkeiten verfügen. Dazu kommt noch ein auch weiterhin rasant steigender Lehrstoff.

Fuchs blickt dabei auf seine eigene Ausbildung vor 40 Jahren zurück. "Die Lehrzeit ist gleich geblieben, die Lehrinhalte haben sich vervielfacht." Dennoch ist er mit den Ergebnissen der dualen Ausbildung der Jugendlichen zufrieden. "Von den letzten 4. Klassen hat ein Viertel aller Lehrlinge mit Auszeichnung abgeschlossen und auch davon war wieder ein Viertel mit Migrationshintergrund. Das sind jene, die in einem Betrieb langfristig Karriere machen."








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